Wenn die Hormone verrückt spielen …

Auf www.histaminintoleranz.ch ist es deutlich nachzulesen und auch ich habe diesen Teil so in etwa auf meiner Seite über Histaminintoleranz eingebunden:

Auch ein aus dem Gleichgewicht geratener Hormonhaushalt kann Histaminprobleme verursachen oder begünstigen. Die größte Rolle spielt hier vermutlich das Östrogen (weibliches Sexualhormon), wobei nicht die absolute Östrogenmenge, sondern das Verhältnis von Östrogen relativ zu bestimmten anderen Hormonen (Progesteron, Testosteron) entscheidend ist. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer.

Zu den Störfaktoren im Hormonhaushalt gehören:

  • Weiblicher Zyklus (Menstruation)
  • Hormonelle Empfängnisverhütung (Antikonzeptiva, Antibabypille)
  • Wechseljahre (Klimakterium)
  • Pubertät
  • Östrogendominanz (bzw. Progesteron- oder Testosteronmangel)
  • Hormone und hormonähnliche Stoffe in natürlichen Lebensmitteln (z.B. Östrogen in Hopfen und Bier)
  • Hormonaktive Umweltschadstoffe: Stoffe mit (unbeabsichtigter) hormonähnlicher Wirkung in Alltagsprodukten wie Kunststoffen, Sonnencrèmen etc.
  • (Evtl. Hormone als Leistungsförderer in der Tierproduktion?)

Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Histamin und Hormonen:

Von HIT sind deutlich mehr Frauen als Männer betroffen und die Krankheit tritt oft mit dem Beginn der Wechseljahre auf.

Trotzdem muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich mich mit dem Thema Hormone und HIT bisher nicht näher befasst habe. Was hat mich eigentlich davon abgehalten? Dass ich hier zu Hause einen Mann und nicht etwa eine Frau mit HIT sitzen habe oder einfach weil ich mich an das Thema Endokrinologie (Hormonlehre) bisher mangels Kenntnisse nicht herangetraut habe?

Hormone? Was ist das eigentlich?

Und ist nicht auch Histamin ein Hormon? Trotzdem denken wir, wenn wir „Hormone“ hören, zunächst nicht an Histamin, sondern vor allem an die wohl bekanntesten Vertreter, nämlich die sogenannten Sexualhormone: Östrogene (Östron, Östradiol, Östriol), Gestagene (Pregnandiol, Progesteron und Pregnenolon) und Androgene (Testosteron, Dehydroepiandrosteron/DHEA, Androstendion). Den Sexual- oder Steroidhormonen ist gemeinsam, dass sie allesamt auf Cholesterin als Baustein angewiesen sind. Außerdem werden diese Hormone im Gegensatz zum Gewebshormon Histamin alle in Drüsen wie der Schilddrüse, den Nebennieren, den Eierstöcken oder Hoden gebildet und dann in den Blutkreislauf gegeben. Histamin hingegen wird von spezialisierten Zellen produziert und in Mastzellen gespeichert und ist auf diese Weise bereits durch die Produktionsart an sehr unterschiedlichen Orten im Körper zugegen. Wie andere Hormone auch, entfaltet Histamin seine Wirkung durch das Binden an spezielle Rezeptoren. Je nach Rezeptorart, wirkt es dann als Hormon oder als Neurotransmitter. So kommt es, dass Histamin enorm viele Funktionen im Körper hat.

Bei den „herkömmlichen“ Sexualhormonen ist das jedoch nicht wirklich anders. Die können nämlich auch weitaus mehr als unseren Sexualtrieb, die Schwangerschaft oder Samenproduktion steuern. Außerdem – und hier wird es dann wirklich interessant – hängen all diese Hormone eng miteinander zusammen und beeinflussen – Überraschung! – auch die Histaminfreisetzung auf die eine oder andere Weise.

Um das Ganze ein bisschen besser zu verstehen, was da so in unserem Körper passiert, vor allem wenn die Wechseljahre einsetzen, habe ich mir ein Buch zukommen lassen. Als Histamin-Pirat wollte ich schließlich auch dieses Thema endlich kapern. Nicht zuletzt deswegen, weil ich immer wieder Zuschriften von Damen jenseits der 40 Jahre oder älter erhalte, die über typische HIT-Symptome aber auch über typische Wechseljahrbeschwerden klagen. Wir werden sehen, dass diese Symptome und Beschwerden ziemlich ähnlich sind. Andererseits gibt es Frauen, die mir schreiben, dass sie nun plötzlich HIT nach der Schwangerschaft bekommen hätten oder die Pille nicht vertragen oder seit Einsetzen einer Hormonspirale Probleme mit bestimmten Lebensmitteln hätten und immer wieder verfolgt mich der Hormonzusammenhang, zu dem ich bisher wirklich nicht viel sagen konnte außer: Ja, Östrogendominanz spielt eine Rolle bei HIT.

Ist das mit den Hormonen denn wirklich so kompliziert?

Betrachtet man das Hormonsystem ausschließlich im schulmedizinischen Sinne, neigt man dazu, die Zusammenhänge zwischen den sehr unterschiedlichen Hormonen zu ignorieren. Die zwei Autorinnen von „Natürliche Hormontherapie“ Annelie Scheuernstuhl und Anne Hild leiten hierzu beispielsweise mit dem „Mythos vom ungesunden Cholesterin“ ein und schreiben:

Nicht nur als Ausgangsstoff unserer Steroidhormone ist [Cholesterin] für unseren Körper unverzichtbar, ebenso dringend wird Cholesterin zum Aufbau von Zellmembranen und Nervenschutzhüllen und bei der Energiegewinnung jeder Zelle gebraucht. Festzuhalten ist, dass ein Mensch nicht an einem „erhöhten“ Cholesterinwert sterben kann – wohl aber an Medikamenten, den sogenannten Statinen, die den Cholesterinspiegel im Blut senken sollen. […] Im Übrigen finden sich bei krebskranken Menschen stark erniedrigte Cholesterinwerte, und japanische Studien zeigten, dass Menschen, die einen niedrigen Cholesterinspiegel haben, früher sterben als solche mit höheren Cholesterinwerten.

Natürlich sollte ein stark erhöhter Cholesterinwert als Alarmsignal gewertet werden. Jedoch sollten wir dann nicht das Alarmsignal mit Medikamenten ruhigstellen, sondern der Ursache für den zu hohen Cholesterinwert auf den Grund gehen.

So wird meist auch nicht darüber nachgedacht, warum Cholesterin angestiegen ist. Vielleicht durch eine Unterfunktion der Schilddrüse? Die ihrerseits wieder durch zu wenig Progesteron oder ein Zuviel an unbalanciertem Östrogen in der Unterfunktion ist?

Wie so oft, hegen wir natürlich den Wunsch, eine Tablette würde unser Leiden heilen. Doch genauso wenig, wie es die eine Pille gegen Histaminintoleranz gibt, gibt es die wundersamen Cholesterinsenker, die uns wieder gesund machen. Man muss der Sache auf den Grund gehen.

Der oder die Fehler im System

Leider fehlt in unserem ohnehin mehr und mehr zum Zwei-Klassen-System (wenn nicht mehr) veränderten Gesundheitssystem oft die Zeit für eine vernünftige Anamnese. Das Patientengespräch wird allzu oft im Rein-Raus-Verfahren innerhalb weniger Minuten abgeschlossen und endet allzu häufig mit einem simplen Rezept, das schlichtweg auf Basis der genannten, spürbaren und/oder sichtbaren Symptome verschrieben wird. Den Ärzten die Schuld dafür zuzuschreiben, ist verführerisch, aber so auch nicht richtig. In der Regel ist es ein bunter Mix aus in privat und öffentlich getrenntes Versicherungssystem, einer engstirnigen schulmedizinischen Ausbildung und dem nur verständlichen Wunsch, dass man nach gut acht Jahren Ausbildung vom Arztsein auch leben und nicht nur überleben möchte.

Um dieses Patientenzeit-Problem zu beheben, braucht es daher gar nicht mal unbedingt mehr Geld. Es müsste nur anders und besser verteilt werden. Außerdem müssten wichtige Erkenntnisse der Homöopathie, Ernährungsmedizin, orthomolekularen Medizin etc. endlich Eingang in die medizinische Ausbildung finden. Mittlerweile sind zahlreiche Studien zu diesen Gebieten erhältlich und die Zusatzausbildung ist längst möglich, aber nach wie vor freiwillig.

Doch zurück von der holistischen medizinischen Ausbildung, die erstrebenswert ist, zur holistischen Behandlungs- und Betrachtungsweise des Menschen – weg vom Pillenverschreiben hin zum Diagnostizieren.

Pillen ohne vernünftige Diagnose?

Wie bereits Julien Venesson in seinem Buch „Wie der Weizen uns vergiftet“ (Rezension hier) kritisierte, kommt es gar nicht so selten vor, dass Ärzte gar keine richtigen Diagnosen stellen und dennoch Medikamente verschreiben. Eins meiner liebsten Beispiele hierfür ist das sogenannte Reizdarm-Syndrom, was im eigentlichen Sinne keine Diagnose darstellt, sondern lediglich ein Symptomkatalog ist. Frei nach dem Motto: „Ah, Sie haben diese und jene Beschwerden. Das ist typisch für dieses und jenes Syndrom. Da verschreiben wir zur symptomatischen Therapie (Symptomunterdrückung) folgendes Medikament. Wir wissen aber eigentlich nicht, was wirklich mit Ihnen los ist.“

So wird beispielsweise auch die Histaminintoleranz zuweilen als psychosomatisches Phänomen abgetan und es wird mit Antidepressiva behandelt, was die Symptome häufig noch verschlimmert, weil diese Psychopharmaka schwerwiegend in den Neurotransmitterverkehr und Hormonhaushalt eingreifen.

Ein anderes Phänomen, das wir beispielsweise bei unseren zwei Katzen beobachtet haben, ist die „Volksdroge“ Cortison. Als wir die zwei Racker 2013 bekommen haben, war ihr Fell in nur mäßigem Zustand und bald haben sie sich an den Ohren und anderen Stellen nahezu blutig gekratzt. Sie hatten Pickelchen und übergaben sich regelmäßig nach dem Essen. Also ab zum Tierarzt. Dort angekommen, meinte die Dame, so etwas hätte sie noch nie gesehen und verschrieb dennoch eine cortisonhaltige Salbe. Klar, die wirkte auch, solange man sie anwendete. Schließlich wirkt Cortison (ebenfalls ein Steroidhormon!) immunsuppressiv. Setzt man die Salbe jedoch ab, kehren die Beschwerden bald zurück. Schließlich hat man sich ja mit der Ursache nicht auseinandergesetzt. Kurzum habe ich auf eigene Faust eine Eliminationsdiät auch bei den Katzen durchgeführt und kam zu dem Ergebnis: Schwein und Reis im Katzenfutter wird nicht vertragen. Schwein wird als billiges Fleisch häufig ins Katzenfutter gemischt, um es zu strecken. Roh soll es ohnehin nicht gegeben werden. Generell ähnlich ungesund ist Reis für Katzen, da Getreide den pH-Wert des Urins verschiebt und dadurch Nierenkrankheiten fördert. Durch die Ernährungsumstellung ernähren sich Momo und Luna also generell gesünder. Seit die zwei Allergikermiezen nur noch hochwertiges, getreidefreies Katzenfutter bekommen, ist alles prima. Kein Jucken, kein Erbrechen nach dem Essen und keine Pickelchen.

Auch von Betroffenen von HIT lese ich immer wieder, dass sie über lange Zeit Cortison nehmen mussten (ohne dass vorher der Hormonstatus bestimmt wurde) und relativ bald nach Absetzen die Symptome zurückkehren und sogar schlimmer sind. Kein Wunder, wenn man dem Körper das Hormon regelmäßig künstlich zuführt, wird er die eigene Produktion drosseln! Aus dem gleichen Grund bin ich im Übrigen kein großer Fan von regelmäßiger Daosin-Einnahme. Denn auch hier tritt womöglich eine Gewöhnung ein und der Körper produziert (noch) weniger von diesem für den Histaminabbau wichtigen Enzym.

Die Autorinnen von „Natürliche Hormontherapie“ kritisieren ein ähnliches Verfahren auch in Ihrem Buch. So wird leider allzu häufig nach dem Erkennen von „typischen Wechseljahrbeschwerden“ von Hitzewallungen bis Stimmungsschwankungen ein Hormonersatz verschrieben, leider oft ein synthetischer Östrogenersatz, ohne vorher überhaupt den Hormonstatus mittels Speicheltest zu überprüfen.

Warum ein Speicheltest?

Bisher ist die Bestimmung der Hormonwerte mittels Blutuntersuchung nach wie vor gängig. Auch diesen Umstand kritisieren die zwei Autorinnen in ihrem Buch.

[Der Speicheltest] hat eine höhere Aussagekraft als die bisher üblichen Blutuntersuchungen. Hormone werden im Körper in Drüsen gebildet und über den Blutstrom an ihren jeweiligen Bestimmungsort gebracht. Dazu brauchen die Steroidhormone, da sie aus dem Fettmolekül Cholesterin stammen, also fett sind, ein „Transportvehikel“ (meist ein Eiweißmolekül, z. B. SHBG = sexual-hormon-binding-globulin) um durch das „wässrige“ Blut schwimmen zu können. Wenn Blut zur Hormonbestimmung herangezogen wird, haben wir demnach als Ergebnis die Summe aller Hormone: Es werden sowohl die freien, die wirksam sind, nachgewiesen, wie auch die an das „Transportvehikel“ gebundenen Hormone, die aufgrund dieser Bindung unwirksam sind.

Interessant und wichtig sind jedoch nur die ungebundenen Hormone, wie sie im Speichel vorliegen. Im Labor müssen bei Blutuntersuchungen also alle „Transportvehikel“ bestimmt und rausgerechnet werden. Das Ergebnis wird dadurch wenig aussagekräftig und meist lassen sich nur grobe Ungleichgewichte im Hormonhaushalt mit diesem herkömmlichen Bluttest nachweisen. Der Speicheltest ist da empfindlicher und erlaubt so auch eine frühzeitige Therapie.

Warum gerät der Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht?

Verschiedene Faktoren beeinflussen den Hormonhaushalt und können schließlich Ungleichgewichte hervorrufen. Ganz vorne mit dabei sind hormonell wirksame Kontrazeptiva wie die Pille, die Hormonspirale oder das Pflaster zur Verhütung.

Vor allem die sogenannte Anti-Baby-Pille wird wie eine „Lifestyle-Droge“ bereits jungen Frauen ab einem Alter von 13 Jahren verschrieben, um beispielsweise gegen Beschwerden wie „unreine Haut“ vorzugehen (Auch ich habe das durch). Dabei wird selten auf die eklatanten Risiken der Pilleneinnahme hingewiesen, wie z. B. die stark erhöhte Thrombosegefahr, da der Blutfluss beeinflusst wird. Sehr erhellend war für mich im Zuge der Lektüre der Fakt, dass die Pille in Wahrheit weder „wirkliche“ Östrogene noch Gestagene enthält, sondern lediglich Stoffe mit „hormonähnlicher Wirkung“, wie sie im Buch genannt werden. Stoffe wie Ethinylestradiol ähneln dabei dem Östradiol, sind aber nicht bioidentisch und erfüllen somit auch nicht alle Funktionen des körpereigenen Hormons. Selbst wenn die Quelle „natürlich“ ist und etwa von Pferden kommt, handelt es sich nicht um Östradiol wie es im menschlichen Körper vorkommt. Ein weiteres Problem ist, dass unbalancierte Östrogene zwangsläufig zur Östrogendominanz mit den typischen Beschwerden wie

  • Kopfschmerzen
  • Migräne
  • Depressionen
  • Herzprobleme
  • Wassereinlagerung im Gewebe
  • Aufgedunsensein
  • etc.

führen. Als Balance für die künstlichen Östrogene wird Progesteron benötigt. Und tatsächlich enthalten viele Anti-Baby-Pille solches, doch auch hier handelt es sich bei genauerem Hinsehen nur um einen künstlichen Ersatz, der absolut nicht das Gleiche ist. Die sogenannten Progestine wie Desogestrel, Levonorgestrel, Norethisteron und Dienogest lassen erschreckenderweise den körpereigenen Progesteronspiegel noch mehr absinken. Somit ist also auch die sogenannte Mini-Pille aus dem Rennen, da auch sie langfristig höchstwahrscheinlich zur Östrogendominanz führt, obwohl sie nur Progestine und keine künstlichen Östrogene enthält.

Während Progesteron das Schwangerschaftshormon ist, kann mit den meisten Ovulationshemmern/Pillen abgetrieben werden. Dies zeigt schon die eklatanten Unterschiede. […] Unter der Pilleneinnahme wird im Körper nur noch wenig natürliches Progesteron in den Nebennieren gebildet.

Alternativ bieten sich Kondome oder die symptothermale Methode zum Verhüten an. Sofern ein Progesteronmangel bzw. eine Östrogendominanz mit dem Speicheltest nachgewiesen wurde, kann dem Körper mithilfe von Yamswurzel-Präparaten wieder Progesteron, oder besser dessen Vorstufe Diosgenin, zugeführt werden. Hier haben wir übrigens einen weiteren Grund, warum vor allem Soja-Produkte nur schlecht bei Histaminintoleranz vertragen werden – unfermentiertes Soga enthält Phytoöstrogene und fermentiertes leider wiederum Histamin.

Speziell Soja und Sojaprodukte können außerdem den Schilddrüsenwechsel stören und die Produktion des aktiven Schilddrüsenhormons T3 verhindern. Sie greifen ausserdem [sic] auch hemmend in den Hormonregelkreis ein und sie können die Aufnahme der Mineralstoffe Calcium, Magnesium, Eisen und Zink und von Vitamin B12 im Darm behindern. Mit der Ausnahme von fermentiertem Soja, das diese unerwünschte Wirkung nicht hat.

Vor allem Zink, Magnesium, Calcium und B-Vitamine werden aber auch für den Histaminabbau benötigt. Dabei behandelt das Buch das Thema „Histaminintoleranz“ per se gar nicht. Doch obwohl das Wort „Histamin“ nur einmal im Buch vorkommt, ist es dennoch von eindeutiger Relevanz für Betroffene von HIT, wie diese Stelle zeigt:

Östrogene lockern aber auch das Bindegewebe und lagern dort Wasser ein, sie lagern Fett in die Zellen, erhöhen die Blutgerinnung, was zur Gerinselbildung führen kann, setzen Histamin frei, was Allergien begünstigt, verdicken die Gallenflüssigkeit und können so auch Gallenleiden hervorrufen.

Östrogene gelten als Histaminliberator. Das schreibt auch Johannes Huber auf seiner Website im Zusammenhang mit dem Leaky-Gut-Syndrom (welches sich im Übrigen häufig als Histamin- oder eine andere Intoleranz herausstellt):

Erhöhte Histaminwerte im Stuhl sprechen für hohe Stresseinwirkung und damit auch für ein vorliegendes leaky gut. Die lokalen Entzündungsreaktionen gehen mit einer ödematösen Veränderung der Dünndarmzotten einher.

ENDOKRINER ZUSAMMENHANG: Während ansonsten das Östradiol einen immunsuppressiven Effekt hat, wirkt es auf die Histaminsynthese und auf die Mastzellen stimulativ. Deswegen wird man hier auf die Antihistaminwirkung des Progesterons bzw. des Testosterons ausweichen.

Interessant ist, dass die Autorinnen auf S. 123 allesamt Mittel der orthemolekularen Medizin empfehlen, die auch bei Histaminintoleranz gängige Helferlein sind:

[…] [E]ine orthemolekulare Behandlung mit den Vitalstoffen Magnesium, Zink, verschiedenen B-Vitaminen, Vitamin C, Vitamin E und Biotin, Nachtkerzenöl oder Borretschkapseln kann ebenfalls helfen.

Für die Vitalstoffe gilt jedoch genau wie für die Hormone: Vorher den aktuellen Status und diesmal mittels Blutuntersuchung zu bestimmen. Nahrungsergänzungspräparate sind schließlich keine Bonbons, sondern auch Medizin.

An dieser Stelle sei auch noch erwähnt, dass vor allem Hormonspiralen häufig Kupfer enthalten und Kupfer ist der Gegenspieler zum Spurenelement Zink, welches als DAO-Co-Faktor für den Histaminabbau benötigt wird.

Verschiedene Erkrankungen treten gehäuft mit Histaminintoleranz auf und womöglich könnte man auch hier einmal in Richtung Hormonhaushalt Überlegungen anstellen:

  • Erkrankungen der Schilddrüse (Über-, Unterfunktion sowie Morbus Basedow und Hashimoto)
  • Erkrankungen der Nebennieren
  • Osteoporose, Osteopenie (hier spielt natürlich auch das Prohormon Vitamin D eine Rolle!)
  • Endometriose
  • Reizblase
  • Regelbeschwerden
  • Fibromyalgie
  • Brustkrebs und andere Krebsarten der hormonbildenden Drüsen

Hinzu kommt die Verbesserung der Beschwerden mit der Schwangerschaft, weil die DAO-Produktion um ein Vielfaches steigt und dies natürlich auch mit dem veränderten Hormonhaushalt (mehr Progesteron) zusammenhängt.

Doch was, wenn man weder Pille noch Hormonspirale verwendet, kann es da auch zur Östrogendominanz kommen?

Dadurch, dass so viele Frauen mit diesem Produkt verhüten oder meinen, ihr Hautbild verbessern zu können, werden Östrogene mit dem Urin ins Abwasser gespült. Und trotz Kläranlage gelangen diese dann zumindest zum Teil zurück ins Trinkwasser. Doch selbst wenn dieser Ansatz als geringfügig abgetan wird, gibt es weitere Faktoren, die nachweislich zu Problemen führen können:

  • Sonnencreme mit hormonell wirksamen Substanzen als UV-Schutz (die im Übrigen im Verdacht stehen, Krebs zu verursachen)
  • Deos mit Aluminiumchlorid, da Aluminium an die nahegelegenen Östrogen-Rezeptoren im Brustgewebe bindet und wahrscheinlich aufgrunddessen das Brustkrebs-Risiko fördert

Ich kann also nur jedem und jeder empfehlen auf solche Sonnencremes und Deos mit Aluminiumchlorid zu verzichten. Hier gibt es ein Rezept für natürliche Sonnencreme, das nach Belieben abgewandelt werden kann. Im Handel gibt es zahlreiche Deo-Alternativen – wir verwenden ein Deo-Spray von Alverde.

Manchmal tritt die Östrogendominanz aber auch „spontan“ auf und zwar kann dies ab etwa dem 35. Lebensjahr im Zuge der „Prämenopause“ losgehen:

Prämenopause heißt die Zeit vor der eigentlichen Menopause, in der die Hormonproduktion, vor allem die Bildung des Gelbkörperhormons Progesteron immer mehr absinkt. In der Regel beginnt die Prämenopause zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr der Frau und dauert im Schnitt fünf Jahre bis zum Eintritt unregelmäßiger Zyklen, in denen immer häufiger die Ovulationen fehlen. Diese Phase kann auch deutlich kürzer sein oder sich über mehr als zehn Jahre erstrecken.

Da häufig die Progesteronproduktion schneller als die Östrogenproduktion abfällt, haben so viele Frauen Wechseljahrbeschwerden und entwickeln dadurch womöglich auch andere Beschwerden wie die Histaminintoleranz. Von den Wechseljahren sind übrigens nicht nur Frauen betroffen. Mittlerweile weiß man von der Andropause. Und in ähnlicher Form gelten daher die gemachten Angaben auch für den Mann, bei dem es ebenso zum Ungleichgewicht im Hormonhaushalt kommen kann. Beide Geschlechter verfügen über die gleichen Hormone (auch Frauen haben Testosteron und auch Männer haben Östrogene), nur die Verteilung ist freilich anders.

Fazit

Wenn die HIT bei Dir scheinbar plötzlich nach der Schwangerschaft, mit den Wechseljahren oder nach dem 35. Lebensjahr aufgetreten ist oder Du regelmäßig Regelbeschwerden oder Osteoporose oder die Vorstufe Osteopenie hast, kannst Du Dich mal zur Homepage von Annelie Scheuernstuhl klicken. Hier gibt es eine Übersicht mit Therapeuten im deutschsprachigen Raum, die sich mit der natürlichen Hormontherapie auskennen (kein Anspruch auf Vollständigkeit). Ansonsten kann ich nur empfehlen, selber mal das Buch zu lesen oder es dem behandelnden (Frauen-)Arzt in die Hand zu drücken. Das Buch sollte zur Pflichtlektüre für Gynäkologen und andere Mediziner werden!

Kleine Nebenbemerkung noch zum Abschluss: Ich war positiv überrascht, zwei bekannte Namen im Buch zu lesen: Che Guevara, der bevor er sich einen Namen als Revoluzzer gemacht hat, Medizin studiert hat. Eins seiner Steckenpferde war offenbar damals schon das Thema Hormone. Bis heute gilt das kubanische Gesundheitssystem übrigens als absolut vorbildlich. Ich werde das in meinem Buch etwas genauer beleuchten.

Der andere Name, den Du gerne mal googeln kannst, der mir auch bereits vor der Lektüre von „Natürliche Hormontherapie“ geläufig war, ist Peter C. Gøtzsche. Der dänische Mediziner spricht sich (wie die Autorinnen) gegen „Big Pharma“ aus und erklärt auch, warum:

Zusammenfassung:

  •  „Natürliche Hormontherapie“ von Annelie Scheuernstuhl und Anne Hild
  • 256 Seiten, Softcover
  • bioidentische Hormone vs. künstliche Hormone und ihr richtiger Gebrauch in der Medizin
  • relevant für verschiedene Krankheiten von Histaminintoleranz bis Osteoporose
  • 14,80 Euro, erschienen im J. Kamphausen-Verlag

Ich bedanke mich beim J. Kamphausen-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch von den Autorinnen oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

(c) Histamin-Pirat

Happy Histamin-Frei-Day (Blogevent)

Daniela’s Foodblog hat die wunderbare Aktion Histamin-Frei-Day als Blogevent ins Leben gerufen. Foodies sind aufgerufen jeden letzten Freitag im Monat histaminarme Rezepte beizusteuern. Dabei ist es ganz gleich, ob Ihr selbst HIT habt (wie Daniela) oder Freunde bzw. Verwandte betroffen sind (wie bei mir) oder Ihr einfach mal was anderes auf den Teller bringen wollt, macht mit! Schließlich können Histamingeplagte immer neue Ideen brauchen.

Von mir gibt es

Gefüllte Dinkelstrudelteigtaschen

Zubereitungszeit:

ca. 1 Stunde + ca. 25 Minuten im Backofen

Schwierigkeit:

aufwändig

Zutaten:

  • fertiger Dinkelstrudelteig aus dem Kühlregal (Supermarkt)
  • Butter oder Öl
  • Frischkäse
  • Sauce/Dip nach Wahl
  • Füllung nach Wunsch, z.B. gekochter Blumenkohl

Außerdem:

  • feuchte Tücher/Küchenpapier

Zubereitung:

Den Dinkelstrudelteig auf feuchten Tüchern ausbreiten und mit einem Pizza-/Keksroller oder Messer in ca. 10 x 10 cm große Quadrate schneiden. Einen Klecks Frischkäse auf jedes Quadrat geben und dann die gewünschte Füllung platzieren.

Ideen für die Füllung:

  • gebratene Hähnchenbruststückchen mit Mozzarella
  • gekochte Blumenkohlstückchen mit Mozzarella
  • Polenta-Gemüse-Mix nach Wunsch (z.B. mit Karotten und Brokkoli)
  • Hirse-Gemüse-Mix nach Wunsch
  • usw.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Ich finde gekochte Blumenkohlröschen mit Mozzi super. Aber probiert Euch ruhig aus.

Vorsichtig die Taschen zusammenfalten und anschließend mit geschmolzener Butter oder Öl bestreichen.

Auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech ca. 20-25 Minuten bei 190 °C backen bis die Dinkelstrudelteigtaschen golden und knusprig sind.

Mit einem Dip oder einer Sauce servieren. Dazu passt außerdem knackiger Blattsalat. Wir mögen süß-sauer Sauce. Davon gehen aber leider nur geringe Mengen (Stichwort: Ananas).

Mit einem Haps sind die im Mund. Mmmh.

(c) Histamin-Pirat

Ganz entspannt ins neue Jahr …

Neben histaminreichen Nahrungsmitteln und solchen, die als Liberatoren wirken und dafür sorgen, dass der Körper eigenes Histamin ausschüttet, gibt es noch andere Faktoren, die sich bei Histaminintoleranz und Mastzellaktivierungsstörungen negativ auf den Histaminhaushalt auswirken können. Schlimmstenfalls kommt es zum Überschuss und somit zu Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit, usw.

Einer dieser Auslöser, das liest man immer wieder, ist Sport. Jeder, der nach dem Motto „Sport ist Mord“ lebt, schlägt da vielleicht freudig in die Hände und denkt sich: „Ha, endlich eine gute Ausrede, nicht wie ein Hamster im Laufrad vor mich hin zu sporteln!“ Andere fragen sich vielleicht: „Aber Sport ist doch gesund?!“

Ist Sport für Betroffene von Histaminintoleranz dann also wirklich schädlich?

Dazu sollte man sich zunächst fragen: Was ist Sport eigentlich? Beim Sport denken wir vor allem in dieser Jahreszeit an Ski-Langlauf, Snowboarden und im Rest des Jahres an Badminton, Schwimmen, Sprinten, Stabhochsprung, Klettern, Joggen und auch Yoga. Daneben gibt es Cross-Fit, Hanteltraining und andere Kraftsportarten. Welche Sportarten gemocht werden, ist meist eine ziemliche Geschmacksfrage. Ich mag Badminton, Schwimmen und Yoga. Der Histaminer skatet gerne und spielt auch mal Badminton und mag ansonsten Kampfsport, allerdings alles in Maßen – nicht in Massen.

Viele Betroffene von histaminbezogenen Erkrankungen ertragen aber nicht einmal fünf bis zehn Minuten Training und lassen es stattdessen lieber ganz sein, wodurch nicht selten ein Mini-Teufelskreislauf in Gang gesetzt wird. Schließlich hat Sport viele Vorteile für unser Herz-Kreislauf-System. Sport hält „fit“ und verhindert, dass wir dick werden. Übergewicht ist schließlich ein Risikofaktor für verschiedene Krankheiten wie Diabetes.

Wer Probleme mit Histamin hat, muss nicht (und sollte auch nicht) ganz auf Sport verzichten. Wer sich körperlich betätigen will, muss nur wissen, wie.

Cardio-Training und Histamin

Alles, was in kürzester Zeit unseren Kreislauf auf Hochtouren bringen soll, ist nicht unbedingt zu empfehlen. Dazu zählen:

  • alle Arten von Cardio-Training
  • hochintensives Intervall-Training (HIIT) – HIIT ist nicht gut bei HIT (kann man sich gut merken)
  • Leistungssport: Sprinten, Marathon und alles andere, was wirklich sehr zehrt, schlaucht und dem Körper enorm viel Wasser entzieht
  • Bikra-Yoga (viel Schwitzen und damit Flüssigkeitsverlust)

Anders sieht das jedoch mit traditionellem Krafttraining aus. Für alle angehenden Bodybuilder unter Euch, aber auch für Yogis und Yoginis lautet die gute Nachricht: Ihr dürft!

Hanteln und Körpergewicht als Widerstand beim Krafttraining

Beim Krafttraining – ob nun mit Hanteln (Bodybuilding) oder mit dem eigenen Körpergewicht (Yoga, Pilates, etc.) – wird der Kreislauf geschont, wodurch der Körper weniger Histamin ausschüttet. Speziell für Yoga und verwandte Sportarten (Tai Chi, Meditation, Progressive Muskelentspannung, etc.) gilt, dass die dazu gehörenden Übungen sogar den Histaminspiegel senken können!

Aber Achtung: Wer aus Angst vor Sport (und den damit einhergehenden Histaminreaktionen) oder aus Faulheit oder Zeitmangel bisher ein Leben als Couch-Potato gefristet hat, sollte es langsam angehen lassen.

Wird das Training zum Stress, steigt auch wieder der Histaminspiegel. Das wissen wir ja bereits: Stress sorgt dafür, dass wir Histamin ausschütten! Gute Vorsätze hin oder her, übertreibt es also nicht!

Außerdem sollte der gewünschte Traumkörper nicht auf Kosten des vorhandenen Körpers entstehen müssen. Was ich meine? Wer nur eine Ein-Kilo-Hantel bequem bewegen kann, sollte vorerst dabei bleiben und nicht größenwahnsinnig zur Fünf-Kilo-Hantel greifen. Dadurch wird nicht nur riskiert, dass die Bewegungen falsch durchgeführt werden, wodurch Fehlhaltungen entstehen und Verletzungen auftreten können, sondern auch, dass wiederum mehr Histamin ausgeschüttet wird. Der Grund? Beim Muskelaufbautraining sind minimale Muskelfaserrisse normal. Wenn der Körper diese repariert, wächst der Muskel; er wird stärker, aber im Körper entstehen währenddessen auch klitzekleine Entzündungsherde. Und Histamin als Entzündungsmediator ist auch hier wieder präsent. Muskelaufbau ja, aber langsam und maßvoll, lautet die Devise.

In der Vergangenheit habe ich bereits meine Trias der, meiner Meinung nach, besten Trainingsoptionen für Histamingeplagte auf dem Blog vorgestellt:

  1. Yoga
  2. Kampfsport
  3. Meditation

„Der Körper ist der Bogen, die Asanas im Yoga sind die Pfeile und die Seele ist das Ziel.“

Damit hat Yoga-Guru B.K.S. Iyengar eigentlich bereits auf den Punkt gebracht, worum es beim Yoga geht, nämlich darum, ganzheitliche Gesundheit zu erlangen.

Heute möchte ich noch einmal ein bisschen auf die Drei eingehen, um Euch einen guten und entspannten Start ins neue Jahr zu liefern. Von Bikram-Yoga einmal abgesehen, bietet Yoga eine Vielfalt an modernen Yoga-Stilen, die im Prinzip trotzdem alle auf das traditionelle Hatha-Yoga zurückgehen, aber verschiedene Schwerpunkte setzen:

  • Vinyasa-Yoga: sehr dynamisch und tänzerisch (Freude am Bewegen)
  • Iyengar-Yoga: anspruchsvoll, aber auf individuelle Bedürfnisse (z.B. Vorverletzungen) ausgelegt
  • Anusara-Yoga: in Anlehnung an Iyengar-Yoga sehr medizinisch auf individuelle Bedürfnisse ausgelegt
  • Restorative Yoga: sehr entspannt, mit viel Zubehör (Props), um angenehme Posen zur Meditation unter Berücksichtigung persönlicher Bedürfnisse einzunehmen
  • Yin-Yoga: ähnlich wie Restorative Yoga sehr ruhig, die Posen werden lange gehalten, zur Meditation und zum Faszientraining
  • Pilates: eigentlich kein Yoga-Stil, aber doch verwandt damit, Schwerpunkt: Bauchmuskel- und Beckenbodentraining

Weitere Yoga-Stile sind z.B.:

  • Forest-Yoga
  • Kundalini-Yoga
  • Jivamukti-Yoga
  • Sivananda-Yoga

Kurz vor dem Jahresende habe ich mich besonders auf das Buch „Gesund durch Yin Yoga“ von Stefanie Arend gefreut, schließlich ist Yin Yoga mit Sicherheit mein Lieblingsyogastil neben Vinyasa-Yoga. Ich wurde aber ein bisschen enttäuscht.

Was wir heute als Yin Yoga bezeichnen, war stets Teil des Hatha-Yogas. Das körperbetonte Training hat jedoch in der Moderne dazu geführt, dass die traditionellen Yin-Posen, die für das Ruhige, Kühle und Meditative stehen, nach und nach von Yang-Posen, die energetisch, warm und dynamisch sind, verdrängt worden sind. Allerdings finden wir davon in Stefanie Arends Buch kein Wort.

Sie schreibt lediglich auf S. 12

Mein erster Yin-Yoga-Lehrer war Paul Grilley, ein Mentor, der mich in meiner persönlichen Yogapraxis stark inspiriert und sehr beeinflusst hat. Er hat Yin-Yoga zu dem gemacht, was wir heute darunter verstehen.

Dass Yin Yoga heute die Rolle in der Yoga-Praxis einnimmt, die ihm eigentlich immer zugestanden ist, verdanken wir allerdings ursprünglich einem anderen Mann als Paul Grilley, nämlich Paulie Zink. Der Kungu-Fu-Meister hat nur wenige Schüler in der Kunst des Yin-Yogas unterrichtet, dessen Posen ursprünglich dazu gedacht waren, buddhistischen Mönchen die langen Meditationsposen zu erleichtern. Dadurch besteht auch ein enger Bezug zwischen Yin-Yoga und Kampfsport wie Kung Fu.

Paul Grilley hat zwar in der Vergangenheit für etwa ein Jahr Unterricht bei Paulie Zink genommen, ist aber per se kein zertifizierter Yin-Yoga-Lehrer. Yin Yoga, das ursprünglich Taoist oder TaoYin oder Yin und Yang Yoga von Paulie Zink genannt wurde, ist mittlerweile zu einem enormen Geschäft geworden, wodurch sich vor allem Paul Grilley, der die Lehren, die ihm vermittelt worden sind, um seine eigene Philosophie ergänzt hat, ein goldenes Näschen verdient hat und nach wie vor in der ganzen Welt Kurse gibt.

Dabei sind vor allem die Kampfsportbezüge sowie die wichtigen Informationen aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) verloren gegangen. Yin Yoga nach Paul Grilley ist zur puren Form verblasst und das merkt man auch dem Buch von Stefanie Arend an.

Das halbesoterische Gefasel, das fälschlicherweise gerne mit TCM in Verbindung gebracht wird, weil wir in den traditionellen Büchern eine sehr metaphorische Sprache vorfinden, hat wenig mit medizinischer Kenntnis zu tun. Wenn in Büchern wie „Complete Book of Chinese Medicine“ von Wong Kiew Kit Sachen stehen wie:

„He is sick because he has no fire in his stomach“ and „The Physician cures the patient by using earth to give birth to metal“ […]

Dann sind ganz konkrete Dinge und genaue Prinzipien gemeint. Wenn ich aber Yoga-Lehrer höre, die davon reden, dass wir unser Herz „schmelzen“ sollen oder „durch die Füße atmen“ sollen, dann ist das einfach nur Unfug.

Entsprechend mit Vorsicht zu genießen sind medizinische Hinweise solcher Yoga-Lehrer. Stefanie Arend, die im Übrigen auch Ernährungsberaterin ist, schreibt beispielsweise zum Thema Allergien:

Bei Allergien ist es ratsam, auch eine Behandlung des Darms in Betracht zu ziehen, da er im Wesentlichen für unsere Immunabwehr verantwortlich ist. Betroffene sollten regelmäßig Darmreinigungskuren durchführen, zum Beispiel durch die Einnahme von Flohsamenschalen und Bentonit, aber auch durch Einläufe oder Colon-Hydro-Therapien, bei denen der Darm gespült wird.

Uff, also da ist nun viel durcheinander geraten. Gerade mich regen solche Aussagen besonders auf, da sie es Betroffenen von Mastzellaktivierungserkrankungen und von Histaminintoleranz noch schwerer als ohnehin schon machen, ihre Krankheit zu erklären. Sie bekommen dann nämlich rasch die Antwort von ihrem Gegenüber: Ah, du hast eine Allergie!

Nein, nicht alles, was mit Histamin zu tun hat, ist eine Allergie und nein, nicht bei jeder Allergie hilft eine Darmreinigung. Insbesondere von einer Ernährungsberaterin hätte ich doch eine differenziertere Aussage zu Darmfehlbesiedlung, Allergien (Medikamentenallergie, Heuschnupfen, etc.) und Intoleranzen erwartet.

Wer trotzdem den empfohlenen Yin-Yoga-Flow gegen Allergie durchführen möchte:

Interessant wird es, wenn wir zu Verdauungsbeschwerden kommen, denn dazu gibt es noch mal ein Extra-Kapitel:

Generelle Tipps wie „weniger Bläh- und mehr Ballaststoffe“ greifen doch ein bisschen kurz, können aber grundsätzlich mal bei Verdauungsbeschwerden nicht schaden. Doch das sind irgendwie auch nur Binsenweisheiten. Aber das Ganze auch noch so unglücklich und widersprüchlich zu formulieren, ist für den Leser und die Leserin nur noch verwirrend:

Ballaststoffe unterstützen die Darmfunktion und stecken vor allem in Obst, Salat, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen. Wichtig dabei: reichlich trinken! Blähungen werden oft durch Kohlgemüse und Hülsenfrüchte ausgelöst, einige Menschen reagieren aber auch auf ein Plus an Ballaststoffen. Hier gilt, auf den eigenen Körper zu achten. […] Ein wahrer Alleskönner sind Flohsamenschalen […]

Jemand, der beispielsweise Verdauungsbeschwerden aufgrund von Histaminintoleranz oder wegen einer Fructose-Malabsorption oder einer Laktoseintoleranz hat, kann mit diesem Allgemeinplätzchen wirklich nicht viel anfangen. Ganz davon abgesehen, dass Obst nur recht wenig Ballaststoffe liefert. Punkt ist, Verdauungsbeschwerden können diverse Ursachen haben. Verschiedene Krankheiten von Intoleranzen bis hin zu chronisch-entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen müssen unter Umständen in Betracht gezogen und vor allem ganz individuell abgewogen und schließlich ebenso individuell behandelt werden.

Im Klappentext steht das ja auch:

Als Ernährungsberaterin arbeitet sie ganzheitlich und integriert dabei verschiedene Ansätze in ihre Beratungen, abhängig davon, was der Einzelne gerade braucht.

Stefanie Arend, die im Buch fleißig Bezug zur TCM schlägt, wirft überraschend oft mit generellen Floskeln um sich. Dabei steht doch gerade in der traditionellen chinesischen (und auch in der traditionellen europäischen) Medizin der Patient im Ganzen (holistisch) im Fokus. Es werden nicht nur seine Beschwerden einzeln betrachtet und mit speziellen Pillen unterdrückt, sondern die Ursache soll gefunden werden.

Folgende Bewegungen emfiehlt Stefanie Arend bei Verdauungsbeschwerden:

Vor allem die „gestreckten Beine“ und das „Kamel“ wird jedoch nicht jeder mit Verdauungsbeschwerden bewältigen können.

Zusammenfassung:

  • „Gesund durch Yin Yoga“ von Stefanie Arend
  • 192 Seiten, Taschenbuch
  • Informationen über Yin Yoga
  • zahlreiche Posen und problemorientierte Trainingspläne
  • 19,99 Euro, erschienen im Südwest-Verlag

Ich bedanke mich beim Südwest-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

Passender wäre eine Übung wie Beine gegen die Wand:

Darüber hinaus sind sanftere Flows wie diese zwei sehr sinnvoll (auch bei Histaminproblemen):

Wer etwas mehr Zeit zwischen den Jahren hat, um sich zu entspannen, dem empfehle ich eine meiner Lieblingsroutinen:

Wie immer gilt für Yin-Yoga-Flows: Decke nicht vergessen. Wer so viel liegt und Faszien stretcht, dem wird manchmal kalt. Noch mehr gute Yoga-Videos gibt es hier und hier.

Was (gerne auch abseits von Yoga, Meditation und Kampfsport) entspannt Euch am meisten? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

Guten Rutsch und kommt entspannt ins neue Jahr!

(c) Histamin-Pirat

Herbstlicher Nudelauflauf…

Draußen herbstelt es schon ordentlich: Das Laub verfärbt sich in sonniges Gelb, lebhaftes Orange und signalfarbendes Rot. Die Sonne scheint sich ein letztes Mal so richtig Mühe zu geben beim Strahlen und verabschiedet sich offenbar mit einem goldenen Herbst in den Winter. Ich liebe diese Jahreszeit! Endlich freut es mich wieder in der Küche zu stehen. Ich bin nämlich ein absoluter Sommerkochmuffel. Im Sommer ist der Herd nur Katzenplattform. Seht selbst:

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Jetzt hat aber alles, was ich mag, wieder Saison: Maroni, Kürbis & Co. Und man kriegt am Herd keine Schweißausbrüche mehr. Starten wir also gleich einmal mit meinem Herbst-Liebling in die neue Jahreszeit: Maroni! Sie spielen die Hauptrolle im herbstlichen Nudelauflauf, der natürlich hervorragend zum #VeggieKochevent – Herbst 2016 passt.

Maroni-Nudelauflauf (vegetarisch)

Zubereitungszeit:

ca. 20 Minuten im Backofen + 30 Minuten + 20 Minuten im Backofen

Schwierigkeit:

normal

Zutaten für ca. 3 bis 4 Personen:

  • ca. 250 g Maroni
  • ca. 200 g Dinkel-Fusilli
  • 2 Knoblauchzehen
  • 3-4 Karotten
  • 3 Paprika
  • Olivenöl zum Braten
  • 4-5 Stängel glatte Petersilie
  • junger Gouda in Scheiben und/oder Ziegenkäse
  • Salz, Pfeffer und andere Gewürze nach Wahl, z.B. Oregano

Zubereitung:

Zunächst die Maroni garen. Dazu die Maroni kreuzweise einritzen und etwa 20 Minuten bei 200°C im Backofen rösten. Danach auskühlen lassen und schälen. Beiseite stellen.

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Paprika und Karotten waschen und schälen und in kleine Stücke schneiden. Knoblauch schälen und hacken. In einer Pfanne etwas Öl erhitzen und das Gemüse mit dem Knoblauch kurz andünsten. Dann mit Wasser aufgießen. Jedoch nicht so viel, dass das Gemüse bedeckt wird. Auf kleiner Flamme bei geschlossenem Deckel etwa 15 bis 20 Minuten köcheln lassen.

Währenddessen Salzwasser zum Kochen bringen und einen Schluck Öl zugeben. Die Nudel bis eine Minute vor gar kochen. Abseihen und beiseite stellen.

Das Gemüse fein pürieren, so dass eine sämige Sauce entsteht. Gegebenfalls Wasser zugeben. Petersilie fein hacken und 2/3 der Petersilie an die Sauce geben, mit Oregano, Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Maroni in mundgerechte Stücke schneiden (sechsteln). Fusilli und Maroni mischen.

Eine Auflaufform vorbereiten. Das Pasta-Maroni-Gemisch einfüllen und mit der Sauce bedecken. Darauf die Käsescheiben verteilen.

Im vorgeheizten Backofen bei 180 °C Umluft ca. 15-20 Minuten überbacken, bis der Käse schön zerlaufen ist.

Mit frischer Petersilie servieren

Tipp: Petersilie ist ein toller Vitamin-C-Lieferant und wirkt daher histaminsenkend.

(c) Histamin-Pirat

Was ist eigentlich mit Käse?

Was ist eigentlich mit Käse?

Wer an Histaminintoleranz leidet, verliert zuweilen schon einmal den Appetit. Es gibt Phasen, vor allem direkt nach der Diagnose, in denen man auf jedes Lebensmittel zu reagieren scheint. Tatsächlich betreiben Betroffene in der Eliminations- und Wiedereinführungsphase von Lebensmitteln wahre Detektivarbeit. Hinter der Unverträglichkeit muss doch ein System stecken! Doch wie findet man es?

Lebensmittellisten wie die SIGHI-Liste geben Auskunft über mögliche „Übeltäter“. Während die Schweizer Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz ein Ampelsystem zur Orientierung gibt, liefert die spanische Gesellschaft für DAO-Defizit konkrete Werte, die hier einsehbar sind. Darüber hinaus gibt es eine Lebensmittelliste der kanadischen Mastozytosehilfe, die Ähnlichkeiten mit der SIGHI-Liste aufweist, aber hier und da doch Abweichungen zeigt. Schnell zur Hand für alle „Schmierfon-Inhaber“ ist die folgende App, die vor allem beim Einkaufen in der Anfangszeit hilfreich sein kann.

Doch trotz aller Listen hilft am Ende nur, eine eigene Liste anzufertigen. Außerdem muss das, was eingangs einmal eliminiert wurde, nicht für immer vom Speiseplan verschwinden. Hat sich der Magen-Darm-Trakt erst einmal erholt, können nach und nach wieder Lebensmittel auf den Tisch kommen, die vorher Probleme gemacht haben – so zumindest bei der tatsächlichen Histaminintoleranz, wenn sie erworben wurde (z.B. durch Antibiotika). Manchmal muss die Krankheit einfach gemanaget werden und zwar für immer, so bei den meisten Mastzellaktivierungserkrankungen. Da kann es helfen, sich einige Lebensmittelgruppen mal genauer anzusehen. Und genau das habe ich heute mit Käse vor.

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Auf dem Blog habe ich bereits mehrmals die Faustregel formuliert: Kein lang gereifter Käse und kein Käse mit großen Löchern. Warum?

Reifung bedeutet Fermentation. Dabei sind Bakterien am Werk. Viele Bakterien setzen in diesem Prozess Histamin frei und somit können fermentierte Produkte bei Histaminintoleranz schnell Probleme machen. Stichwort: Rotwein, Sauerkraut oder eben lang gereifter Käse. Im Grunde ist Fermentation auch bei jungem Käse und bei Joghurt am Werk. Offenbar ist der Reifungsprozess jedoch nicht lang genug, um die Histaminmenge so weit raufzutreiben, dass dadurch Probleme entstehen – hier zumindest. Die Bakterien sind für Betroffene von Laktoseintoleranz jedoch ein Segen. Während des Reifungsprozesses entsteht zwar Histamin, aber die im Käse enthaltene Laktose wird großteils durch die Bakterien abgebaut. Je älter der Käse, desto besser verträglich für Laktoseintolerante! Blöd nur, wenn man beides hat – LI und HIT.

Der Gedanke liegt nah, da zu Spezialprodukten mit der Deklaration „laktosefrei“ zu greifen. Doch sind diese Produkte HIT-tauglich?

Um den Milchzucker (Laktose) in seine Bestandteile Galaktose und Glucose zu zerlegen, bedarf es eines bestimmten Enzyms namens Laktase. Betroffene von Laktoseintoleranz besitzen davon zu wenig, sowie HIT-Betroffene zu wenig DAO oder HNMT haben. Daher mischt man den laktosefreien Spezialprodukten extra Laktase bei. So und hier kommt das Problem: Das Enzym wird entweder aus Schimmelpilzen (Aspergillus) oder aus Hefen (Kluyveromyces) gewonnen und macht daher bei HIT meist Probleme. Außerdem können diese Laktase-Quellen mitunter gentechnisch verändert sein, auch wenn das zumindest in Deutschland nicht der Fall sein sollte. Bio-Ware gibt es im Reformhaus oder Naturkostladen, doch das Problem mit dem Histamin bleibt.

Wer daher von der Kombi LI und HIT betroffen ist, sollte idealerweise auf pflanzliche Alternativen umsteigen. Doch auch hier gibt es einiges zu beachten:

  1. Sojamilch sollte gemieden werden, da Sojabohnen histaminreich sind.
  2. Fertige Reis- und Hafermilch ist in der Regel fermentiert und wird daher nicht immer vertragen.
  3. Nicht alle Nussmilchalternativen sind verträglich, meist geht Mandel- oder Kokosmilch.
  4. Fertigprodukte enthalten meist unverträgliche Zusatzstoffe und Bindemittel (z.B. Guarkernmehl)
  5. Tipp: Pflanzliche Milch einfach selber machen. Auf meiner Seite gibt es Rezepte für Vanille-Hanf-Milch, Mandelmilch und Kokosmilch.

So, wie sieht es aber nun allgemein mit Käse aus und was hat es eigentlich mit der Empfehlung „keine großen Löcher“ auf sich?

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Die Löcher sind ebenfalls ein Hinweis auf Fermentation. Befinden sich Heupartikel in der Milch, wie es bei der traditionellen Milchgewinnung häufig vorkommt, werden diese ebenfalls von Bakterien zersetzt (Fermentation) und dabei entstehen Gase, die entweichen. Voilà, der Käse bekommt Löcher! Bei einigen Sorten, wie Emmentaler werden diese Heupartikel für das typische Sortenbild übrigens künstlich zugesetzt. Von der Fermentation einmal abgesehen, können Heuschnupfen-Betroffene auf solche Sorten empfindlich reagieren.

Also hilft bei HIT nur der Griff ins Kühlregal zu jungem Käse wie Frischkäse, Mozzarella oder Gouda. Doch selbst da muss die Zusammensetzung studiert werden. Gerne befinden sich nämlich folgende Übeltäter für die Konsistenz oder zum Haltbarmachen in den Produkten:

  • Johannisbrotkernmehl (z.B. Philadelphia, den ich ohnehin nicht kaufe, weil Kraft Foods)
  • Carrageen (z.B. Buko – enthält auch Johannisbrotkernmehl)
  • Citronensäure, die nichts mit der Zitrone (Frucht) zu tun hat (z.B. Bresso, der außerdem Schweinegelantine enthält und damit sowieso HIT-untauglich ist und auch nicht vegetarisch ist)

Citronensäure (auch als E330) wird nicht aus der bekannten Zitrusfrucht, sondern aus Schimmelpilzen hergestellt. Hier ist Citronensäure neben Carrageen ein massiver Auslöser.

Wenn Ihr wissen wollt, was wirklich in Eurem Essen steckt, dann empfehle ich die Seite das-ist-drin.de! Dort kann man einige Produkte nachschlagen und bekommt Hinweise zur Zusammensetzung. Außerdem sind die E-Stoffe aufgelistet.

Das Fazit bleibt: Kein lang gereifter Käse und kein Käse mit großen Löcher. Jetzt wisst Ihr auch, warum.

(c) Histamin-Pirat

Sommergemüseauflauf…

Ende August treibt es der Sommer ja noch einmal so richtig bunt. Heute ist das Thermometer auf 30°C raufgeklettert. Richtig Lust auf Essen, geschweige denn Kochen macht das eigentlich nicht. Ab Dienstag soll es aber wieder runterkühlen.

In der Zwischenzeit übermittle ich Euch meinen leckeren Sommergemüseauflauf.

Sommergemüseauflauf (glutenfrei, vegetarisch)

Zubereitungszeit:

ca. 15 Minuten + 35 Minuten im Backofen

Schwierigkeit:

einfach

Zutaten für ca. 3 bis 4 Personen:

  • 1 Tasse Basmati- oder Langkornreis (200g) + 2 Tassen Gemüsebrühe
  • 1 Knoblauchzehe
  • 6 Karotten
  • 500 g Brokkoli
  • Gemüsebrühe zum Kochen der Karotten und für den Brokkoli
  • 2 Eier oder für ganze Histamin-Empfindliche: 3 Eigelb
  • junger Gouda in Scheiben oder Ziegenkäse
  • optional: Dip nach Wahl, z.B. Kräuterfrischkäse oder Kräuterjoghurt

Zubereitung:

Zunächst Knoblauch schälen und klein hacken oder durch die Knoblauchpresse drücken. Den Reis mit der Gemüsebrühe und Knoblauch garen. Dazu entweder selbst gemachte Gemüsebrühe oder gekaufte Gemüsebrühe (Achtung: hefefrei!) verwenden.

Karotten schälen und in dünne Scheiben schneiden. Vom Brokkoli Röschen abschneiden. Gemüsebrühe zum Kochen bringen. Karotten und Brokkoli bissfest kochen.

Den fertigen Reis in einer Auflaufform verteilen und glatt streichen.

Das Gemüse abseihen und dabei ca. 1/2 Tasse der Brühe aufheben.

In der Brühe die Eier bzw. das Eigelb verrühren.

Karotten und Brokkoli auf dem Reis verteilen. Die Brühe-Ei-Mischung darübergießen.

Zum Schluss den Käse in Scheiben verteilen.

Im Backofen bei Umluft/Heißluft 180°C ca. 35 Minuten backen.

Mit Dip servieren und schmecken lassen.

 

(c) Histamin-Pirat

Der Teufel liegt im Detail…

Ich lese gerade „Die Dämonen“ von Fjodor Dostojewski, einem meiner Lieblingsautoren – doch das nur am Rande. Jedenfalls hat mich der Buchtitel auf das Thema für einen neuen Histamin-Beitrag gebracht. „Der Teufel liegt im Detail“ befasst sich mit den kleinen, bösen Stoffen, die dem „Histaminer“ Kopfschmerzen bereiten und dafür sorgen können, dass ihm speiübel wird.

Lebensmittelzusatzstoffe mit Histaminpotential

Viele Produkte, die augenscheinlich kein Problem sein sollten, machen einigen Betroffenen trotzdem zu schaffen, etwa Milch oder Milchmixgetränke, Mozzarella, Frischkäse, glutenfreies Brot, usw. Schuld sind oft Lebensmittelzusatzstoffe oder die bösen „E’s“ wie ich sie nenne 😉

Hier gibt es also eine kurze Liste, der kleinen Teufel und einen Hinweis, wo der ahnungslose Käufer sie häufig findet.

Citronensäure (E 330) ist nicht zu verwechseln mit Zitronensaft. Citronensäure wird oft aus Schimmelsporen bzw. bestimmten Bakterien gewonnen. Das Histaminpotential ist aufgrund der Fermentierung um ein deutliches höher als bei Zitronensaft. Häufig in: Soft-Drinks, Aufstrichen, aber auch in einigen Mozzarella-Produkten.

Carrageen (E 407) wird aus Rotalgen gewonnen, die für sich genommen jetzt nicht sooo schlimm sind. Problematisch ist der Herstellungsprozess. Erstmal werden die Rotalgen für eine ganze Weile gekocht, was schon mal nicht gut ist. Dann kommt es aber richtig dicke: um das Carrageen aus der Kochlösung herauszubekommen, wird Alkohol ausgefällt oder Kaliumchlorid verwendet. Häufig in: Milchmixprodukten und Aufstrichen.

Sorbinsäure / Sorbit (E 200-203) wird zum Haltbarmachen von diversen Lebensmitteln verwendet und wird bei HIT sehr schlecht vertragen. Häufig in: abgepackten Lebensmitteln und Zahnpasta (!!!).

Schwefeldioxid und Sulfite (E220-228) gehören auch zur Gruppe der Konservierungsmittel. Gerne bei Trockenobst und ebenfalls abgepackten Lebensmitteln (Stichwort: „unter Schutzatmosphäre verpackt“) im Einsatz. Häufig in: Trockenfrüchten, Wein, Essig.

Guarkernmehl (E 412) und Johannisbrotkernmehl (E 410) werden beide gerne als Verdickungsmittel verwendet. Häufig in: glutenfreiem Brot, Eiskrem, Kokosmilch aus der Dose und Aufstrichen.

Das sind meine persönlichen Top 5 der kleinen Teufel.

Weitere Zusatzstoffe mit Histaminpotential findet Ihr in der SIGHI-Lebensmittelliste unter „Zusatzstoffe“. Schaut da unbedingt mal rein.

(c) Histamin-Pirat

Paläo-Therapie – Essen gegen Autoimmunkrankheiten? (Buchrezension)

Buchrezension: Die Paläo-Therapie von Sarah Ballantyne

Ihr seid auf meinem Blog gelandet, nicht nur, weil Ihr HIT habt, sondern auch Morbus Basedow oder Hashimoto oder eine andere Autoimmunkrankheit? Ihr habt eigentlich schon fast aufgegeben, an Heilung zu denken? Hm, vielleicht bringt gerade Euch Sarah Ballantyne, auch bekannt als The Paleo Mom, auf andere Gedanken. Die Bloggerin hat ihr gesammeltes Wissen über die Paläo-Ernährung jetzt in einen dicken Wälzer mit dem Focus Autoimmunkrankheiten gepackt. Ursprünglich kam das Buch auf Englisch mit dem Titel „The Paleo Approach“ heraus. Jetzt ist die deutsche Übersetzung „Die Paläo-Therapie“ erschienen.

Für wen ist das Buch und was kann es?

Das 431 Seiten starke, großformatige Buch mag in seiner Wuchtigkeit den einen oder anderen erst einmal erschlagen. Es ist aber ein Fundus für alle, die an Autoimmunkrankheiten leiden und einen Weg aus der Krise suchen. Dabei vereint Sarah Ballantyne Tipps zur Ernährung, zum Lebenswandel und vieles mehr. Im ersten Teil wird erklärt, wie Autoimmunkrankheiten zustande kommen können und wie sie funktionieren. Die Liste der bekannten Autoimmunkrankheiten ist lang, hinzu kommen Leiden, die wahrscheinlich auf Autoimmunreaktionen zurückzuführen sind, wie jüngste Forschungsergebnisse andeuten, dazu zählen Krankheiten wie Alzheimer, Epilepsie und Schizophrenie. Nachdem die Ursachen erläutert wurden, geht es daran, Tipps zur Heilung zu geben. Sarah Ballantyne, die selbst an einer Autoimmunkrankheit litt, schaffte es mit der Paläo-Ernährung aus der Krise. Ihre Erfahrungen und auch ausgewählte Geschichten ihrer Blog-Leser teilt sie mit den Lesern dieses Buchs. Dabei sind die Erklärungen stets wissenschaftlich fundiert. Ab Seite 308 widmet sich Sarah Ballantyne auch der Histaminintoleranz. Viele weitere Nahrungsmittelintoleranzen, sowie Zölikie werden in dem Buch besprochen. Jeder, der an einer Autoimmunkrankheit, Intoleranz oder einer mit Autoimmunreaktionen assoziierten Krankheit leidet und seine Beschwerden verstehen möchte, um endlich etwas dagegen zu tun, ist mit diesem Buch bestens beraten.

Was nehme ich von dem Buch mit (bisher)?

Offen gestanden, ackere ich mich seit über einem Monat durch das Buch und habe es noch nicht ganz durch. Ich bin aber jetzt schon sehr angetan und möchte daher die Leseerfahrung mit Euch teilen. Das Buch steht exemplarisch und im positiven Sinne für populärwissenschaftliche Literatur, denn Sarah Ballantyne gelingt es, die komplexen Abläufe von Autoimmunkrankheiten dem Laien verständlich zu machen und jeder, der an einer solchen Krankheit leidet, weiß, wie wichtig das ist. Viele fühlen sich von Ärzten allein gelassen. Bücher wie dieses helfen, das eigene Leiden zu verstehen, um selbst handeln zu können. Details, die ich spannend fand und was ich bisher noch nicht wusste:

  • Dass Zöliakie eigentlich immer mit einem Zink- und einem Eisenmangel einhergeht
  • Dass nicht nur Weizen die Darmflora stört
  • Wie einige Hülsenfrüchte und manches Pseudogetreide die Darmflora stören (Warum nur glutenfrei nicht reicht)
  • Warum viele Zöliakie-Patienten auch keine Milch vertragen
  • Dass mehr Frauen als Männer an Autoimmunkrankheiten leiden (ca. 78 % sind weiblich), was vielleicht an einem hormonellen Zusammenhang liegt
  • und vieles mehr

Fazit

Das Buch hat mir vor allem geholfen, den Paläo-Ansatz besser zu verstehen. Ich stand der kategorischen Ablehnung gegenüber so vielen Lebensmittelgruppen bisher sehr skeptisch gegenüber und stellte mir die Frage: Was kann man dann noch essen? Ein bisschen ist davon geblieben, denn wenn man strikt paläo isst, fallen Hülsenfrüchte, Nachtschattengewächse, jegliches Getreide und laut Ballantyne auch Pseudogetreide ganz weg. Neben Obst und Gemüse bleibt nur noch Fleisch und Fisch. Jeder Vegetarier wird da verzweifeln.

Zum Glück erklärt das Buch sehr genau, warum dieses oder jenes nicht gut ist und man kann beginnen abzuwägen, was man wirklich ausschließen will und was vielleicht nur reduziert werden muss oder vorübergehend gestrichen werden sollte, bis sich der Darm wieder erholt hat.

Die Sache mit den Phytaten (v.a. in Hülsenfrüchten, Samen und Kernen) und Prolaminen (v.a. in Korn, Hülsenfrüchten und Pseudogetreide) fand ich sehr interessant, denn neben Gluten, genauer Gliadin, wirken sich auch Phytate und Prolamine negativ auf die Darmflora aus. Einerseits sah ich mich bestätigt, kein Soja zu essen. Andererseits machte mir das meine geliebten Kichererbsen etwas madig. Ich habe jedenfalls gelernt, dass Hülsenfrüchte, die roh gegessen werden können (wie Erbsen und Schoten) wesentlich harmloser sind und besser zu verdauen sind als solche, die lange eingeweicht oder gekocht werden müssen, um Giftstoffe unschädlich zu machen.

Samen und Kerne sollten laut Paläo am besten ganz gegessen werden (und nicht gemahlen). Durch das Zermahlen werden Stoffe frei, die den Darm durchlässiger machen können. Wie bäckt man dann paläo-tauglich? Da bleibt ja fast nur noch Kokos- und Mandelmehl. Und ich backe doch sooo gern 😉 Ich denke, dass eine strikte Paläo-Diät vor allem zu Beginn der Heilung Sinn macht. Sobald der Darm sich mal erholt hat, kann man einige Lebensmittel in Maßen wieder integrieren.

Zusammenfassung

  • 431 Seiten, Paperback mit farbigen Fotos und Grafiken
  • zahlreiche Erklärungen zu Nährstoffen, Funktionen des Immunsystems und mehr
  • eigener Teil über Histaminintoleranz
  • 29,99 Euro, erschienen im Riva-Verlag

Ich bedanke mich beim Riva-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.