Paläo-Therapie – Essen gegen Autoimmunkrankheiten? (Buchrezension)

Buchrezension: Die Paläo-Therapie von Sarah Ballantyne

Ihr seid auf meinem Blog gelandet, nicht nur, weil Ihr HIT habt, sondern auch Morbus Basedow oder Hashimoto oder eine andere Autoimmunkrankheit? Ihr habt eigentlich schon fast aufgegeben, an Heilung zu denken? Hm, vielleicht bringt gerade Euch Sarah Ballantyne, auch bekannt als The Paleo Mom, auf andere Gedanken. Die Bloggerin hat ihr gesammeltes Wissen über die Paläo-Ernährung jetzt in einen dicken Wälzer mit dem Focus Autoimmunkrankheiten gepackt. Ursprünglich kam das Buch auf Englisch mit dem Titel „The Paleo Approach“ heraus. Jetzt ist die deutsche Übersetzung „Die Paläo-Therapie“ erschienen.

Für wen ist das Buch und was kann es?

Das 431 Seiten starke, großformatige Buch mag in seiner Wuchtigkeit den einen oder anderen erst einmal erschlagen. Es ist aber ein Fundus für alle, die an Autoimmunkrankheiten leiden und einen Weg aus der Krise suchen. Dabei vereint Sarah Ballantyne Tipps zur Ernährung, zum Lebenswandel und vieles mehr. Im ersten Teil wird erklärt, wie Autoimmunkrankheiten zustande kommen können und wie sie funktionieren. Die Liste der bekannten Autoimmunkrankheiten ist lang, hinzu kommen Leiden, die wahrscheinlich auf Autoimmunreaktionen zurückzuführen sind, wie jüngste Forschungsergebnisse andeuten, dazu zählen Krankheiten wie Alzheimer, Epilepsie und Schizophrenie. Nachdem die Ursachen erläutert wurden, geht es daran, Tipps zur Heilung zu geben. Sarah Ballantyne, die selbst an einer Autoimmunkrankheit litt, schaffte es mit der Paläo-Ernährung aus der Krise. Ihre Erfahrungen und auch ausgewählte Geschichten ihrer Blog-Leser teilt sie mit den Lesern dieses Buchs. Dabei sind die Erklärungen stets wissenschaftlich fundiert. Ab Seite 308 widmet sich Sarah Ballantyne auch der Histaminintoleranz. Viele weitere Nahrungsmittelintoleranzen, sowie Zölikie werden in dem Buch besprochen. Jeder, der an einer Autoimmunkrankheit, Intoleranz oder einer mit Autoimmunreaktionen assoziierten Krankheit leidet und seine Beschwerden verstehen möchte, um endlich etwas dagegen zu tun, ist mit diesem Buch bestens beraten.

Was nehme ich von dem Buch mit (bisher)?

Offen gestanden, ackere ich mich seit über einem Monat durch das Buch und habe es noch nicht ganz durch. Ich bin aber jetzt schon sehr angetan und möchte daher die Leseerfahrung mit Euch teilen. Das Buch steht exemplarisch und im positiven Sinne für populärwissenschaftliche Literatur, denn Sarah Ballantyne gelingt es, die komplexen Abläufe von Autoimmunkrankheiten dem Laien verständlich zu machen und jeder, der an einer solchen Krankheit leidet, weiß, wie wichtig das ist. Viele fühlen sich von Ärzten allein gelassen. Bücher wie dieses helfen, das eigene Leiden zu verstehen, um selbst handeln zu können. Details, die ich spannend fand und was ich bisher noch nicht wusste:

  • Dass Zöliakie eigentlich immer mit einem Zink- und einem Eisenmangel einhergeht
  • Dass nicht nur Weizen die Darmflora stört
  • Wie einige Hülsenfrüchte und manches Pseudogetreide die Darmflora stören (Warum nur glutenfrei nicht reicht)
  • Warum viele Zöliakie-Patienten auch keine Milch vertragen
  • Dass mehr Frauen als Männer an Autoimmunkrankheiten leiden (ca. 78 % sind weiblich), was vielleicht an einem hormonellen Zusammenhang liegt
  • und vieles mehr

Fazit

Das Buch hat mir vor allem geholfen, den Paläo-Ansatz besser zu verstehen. Ich stand der kategorischen Ablehnung gegenüber so vielen Lebensmittelgruppen bisher sehr skeptisch gegenüber und stellte mir die Frage: Was kann man dann noch essen? Ein bisschen ist davon geblieben, denn wenn man strikt paläo isst, fallen Hülsenfrüchte, Nachtschattengewächse, jegliches Getreide und laut Ballantyne auch Pseudogetreide ganz weg. Neben Obst und Gemüse bleibt nur noch Fleisch und Fisch. Jeder Vegetarier wird da verzweifeln.

Zum Glück erklärt das Buch sehr genau, warum dieses oder jenes nicht gut ist und man kann beginnen abzuwägen, was man wirklich ausschließen will und was vielleicht nur reduziert werden muss oder vorübergehend gestrichen werden sollte, bis sich der Darm wieder erholt hat.

Die Sache mit den Phytaten (v.a. in Hülsenfrüchten, Samen und Kernen) und Prolaminen (v.a. in Korn, Hülsenfrüchten und Pseudogetreide) fand ich sehr interessant, denn neben Gluten, genauer Gliadin, wirken sich auch Phytate und Prolamine negativ auf die Darmflora aus. Einerseits sah ich mich bestätigt, kein Soja zu essen. Andererseits machte mir das meine geliebten Kichererbsen etwas madig. Ich habe jedenfalls gelernt, dass Hülsenfrüchte, die roh gegessen werden können (wie Erbsen und Schoten) wesentlich harmloser sind und besser zu verdauen sind als solche, die lange eingeweicht oder gekocht werden müssen, um Giftstoffe unschädlich zu machen.

Samen und Kerne sollten laut Paläo am besten ganz gegessen werden (und nicht gemahlen). Durch das Zermahlen werden Stoffe frei, die den Darm durchlässiger machen können. Wie bäckt man dann paläo-tauglich? Da bleibt ja fast nur noch Kokos- und Mandelmehl. Und ich backe doch sooo gern 😉 Ich denke, dass eine strikte Paläo-Diät vor allem zu Beginn der Heilung Sinn macht. Sobald der Darm sich mal erholt hat, kann man einige Lebensmittel in Maßen wieder integrieren.

Zusammenfassung

  • 431 Seiten, Paperback mit farbigen Fotos und Grafiken
  • zahlreiche Erklärungen zu Nährstoffen, Funktionen des Immunsystems und mehr
  • eigener Teil über Histaminintoleranz
  • 29,99 Euro, erschienen im Riva-Verlag

Ich bedanke mich beim Riva-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

Glutenfreie Info-Wochen (Teil 8): Bindemittel…

Kleine Warenkunde: Bindemittel

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Warum glutenfreies Mehl selber mixen?

Wer an HIT leidet und durch z.B. eine Weizenallergie oder Glutenunverträglichkeit doppelt belastet ist, sollte das glutenfreie Mehl selbst mixen. In Fertigprodukten und Mehlmischungen von Schär oder Glutano sind z.B. Lupinenprotein, Cellulose, Johannisbrotkernmehl, Hefe, Glukosesirup, Sojamehl und Guarkernmehl mitunter enthalten. Manches davon, wie Cellulose, mag man schlicht nicht essen, anderes ist von sich aus oft problematisch, was Histamin angeht, wie z.B. Hefe, Xanthan Gum, Johannisbrotkernmehl, Guarkernmehl und Soja. Die meisten dieser Zutaten sind zur Verbesserung der Backeigenschaften beigemengt worden.

Da Mehlsorten wie Reis-, Mais-, Quinoa-, Kokos-, Hirsemehl, etc. kein Gluten enthalten, muss ein Bindemittel eingesetzt werden, damit der Teig beim Backen nicht zerfällt.

Heute gibt es daher ein paar Tips, wie man glutenfrei und histaminarm zusammendenken kann.

Glutenfreie, histaminarme Bindemittel (+ vegane Hinweise)

Bindemittel halten den Teig zusammen. Zu wenig und das Backwerk zerfällt, zu viel und das Backwerk wird matschig und klebt. Glutenfreie BackeinsteigerInnen sollten sich daher erstmal an genaue Angaben halten, was die Bindemittel angeht.

Folgende Bindemittel eignen sich beim Backen, wenn es histaminarm und glutenfrei sein soll:

  • Chiasamen(mehl)
  • Leinsamen(mehl)
  • Flohsamenschalen
  • Stärkehaltige Mehlsorten bzw. Maisstärke, Kartoffelstärke, Tapiokastärke
  • Ei
  • Ahornsirup oder Honig
  • Mus, wie z.B. Apfelmus oder auch Kürbispüree
  • Agar-Agar, eigentlich ein pflanzlicher Gelatineersatz

Ich verwende am liebsten Chiasamengel (1 Teil Chiasamen(mehl) + 3 Teile Wasser) zum Backen. Das rührt man vorher an und lässt es ca. 10 Minuten stehen bis eine Art Pudding entstanden ist. Bindet hervorragend. Genauso kann man mit Leinsamen(mehl) vorgehen.

Flohsamenschalen kann man auch vorher mit etwas Wasser ansetzen oder direkt in den Mix geben. Eine bessere, bindende Wirkung erzielt man jedoch mit dem Vorher-Ansetzen.

Stärkehaltige Mehlsorten machen das Gebäck locker und leicht. Mit etwas Wasser angerührt entwickeln sie eine bindende Wirkung. Die Faustregel für glutenfreie Mehlmixe ist übrigens 1 Teil Stärke : 2 Teile glutenfreies Mehl.

Eier binden die glutenfreien Mehlsorten auch. Daher enthalten die meisten glutenfreien Rezepte oft viele Eier. Ich habe jedoch auch schon Rezepte erfolgreich veganisiert – Chiasamengel geht auch hier als Ersatz.

Wer, wie ich, süßes Brot mag, kann auch mit etwas Honig – oder wenn es vegan sein soll, mit etwas Ahornsirup – binden. Besonders geeignet ist diese Methode aber für eigentlich süßes Gebäck wie Muffins und Kuchen.

Apfelmus und diverse Gemüsepürees können z.B. Muffin- oder Brotteig beigemengt werden, um einerseits für das gewisse Geschmacks-Extra zu sorgen, andererseits um den Teig zu binden. Die zugegebene Flüssigkeit muss dadurch etwas reduziert werden, je nach dem, wie viel Mus bzw. Püree man verwendet.

Agar-Agar wird aus Rotalgen gewonnen. Es gibt Bindemittel auf Agar-Agar-Basis zu kaufen, die aber oft nicht rein sind. Beim Kauf auf 100 Prozent Agar-Agar achten. Eigentlich ist Agar-Agar vor allem als veganer Gelatine-Ersatz bekannt, kann aber auch zum Binden von Teig verwendet werden. Man braucht wirklich nur wenig davon, sonst wird das Gebäck matschig.

(c) Histamin-Pirat

Glutenfreie Info-Wochen (Teil 7): Deftige Muffins & Buchrezension…

Glutenfreie Brokkoli-Feta-Muffins und noch eine Buchvorstellung

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Auch heute gibt es wieder eine Buchvorstellung und ein passendes Rezept dazu. Ich bin ein bisschen in Verzug mit meinen glutenfreien Info-Wochen.

Mindestens ein glutenfreies Brot habe ich noch für Euch und wahrscheinlich noch ein paar Kleinigkeiten 😉

Heute gibt es glutenfreie, deftige Muffins frei nach dem Rezept aus dem Buch „Glutenfrei backen“ von Simone Stefka, erschienen im Pala-Verlag. Ich habe die Mehlsorten leicht angepasst, aber Ihr habt hier auch selbst freie Hand, wenn Ihr andere glutenfreie Mehlsorten besser (verträglich) findet, könnt Ihr natürlich auch die nehmen. Ich habe die Muffins eifrei gemacht. Sie sind aber aufgrund des Fetas nicht vegan und auch nicht laktosefrei, aber glutenfrei, vegetarisch und natürlich histaminarm. Weiter unten erfahrt Ihr mehr zum Buch und es gibt noch eine kleine Mehlsorten Warenkunde. Zu Bindemitteln und Histaminintoleranz gibt es demnächst noch einen extra Beitrag.

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Zubereitungszeit:

ca. 15 Minuten + ca. 20 Minuten Backzeit

Schwierigkeit:

einfach

Zutaten:

250g gegarter Brokkoli
Pr. Kreuzkümmel (optional)
Chiasamenmix als Eiersatz: 3 EL Chiasamen mit 9 EL Wasser etwas quellen lassen
50g Quinoamehl
10g Hanfmehl
80g Reismehl
20g Braunhirsemehl
1 TL Backpulver (glutenfrei)
ca. 130g Feta
80g Maisstärke
80g Kartoffelstärke
ca. 120ml Wasser
Kürbiskerne zum Bestreuen

Zubereitung:

Zuerst den Chiasamenmix mit Wasser anrühren, beseite stellen und etwas andicken bzw. quellen lassen.

Den gegarten Brokkoli mit Kreuzkümmel würzen und in der Küchenmaschine zerkleinern oder sehr klein schneiden.

Den Backofen auf 160°C Umluft vorheizen. Die flüssigen Zutaten, inklusive Chiasamenmix, gut verrühren und dann Mehl und Brokkoli hinzufügen. Den Feta in die Masse zerbröckeln. Dann Backpulver hinzugeben und unterrühren.

Muffinformen mit Teig füllen, Kürbiskerne über jeden Muffin streuen und ca. 20 Minuten backen.

Tip:

Die Muffins sind super als Frühstück oder Snack für unterwegs.

Buchrezension:

Das Buch besticht nicht nur mit vielen glutenfreien Rezepten für Brot, Kuchen und Kleingebäck, sondern vor allem mit einem umfassenden Teil zum Thema Warenkunde und sonstigen Informationen rund ums glutenfreie Backen.

  • Was ist glutenhaltig und sollte gemieden werden, was ist glutenfrei?
  • Was ist anders beim Backen ohne Gluten?
  • Welche Mehlsorten und Bindemittel gibt es eigentlich?

All diese Fragen und mehr werden im Buch beantwortet und damit ist es ein Fundus für alle EinsteigerInnen, aber auch Fortgeschrittene des glutenfreien Backens. Im Buch werden ausschließlich einzelne Mehlsorten verwendet und KEINE Fertigmischungen. So kann man selbst kreativ werden, neue Sorten ausprobieren und neu kombinieren, außerdem hat man hier bei Doppel-Intoleranzen (z.B. mit zusätzlich HIT) volle Kontrolle darüber, was in den Teig kommt.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es trotzdem: Nicht alle Rezepte sind histaminarm, vor allem die Brote sind alle mit Hefe gebacken. Ich muss hier noch Rezepte anpassen und ausprobieren und werde dann für Euch berichten. Beim Kuchen und Kleingebäck gibt es aber einiges, das mit nur kleinen Anpassungen absolut HIT-tauglich ist.

Das Buch kommt, wie schon das andere Buch vom Pala-Verlag, das ich Euch vorgestellt habe, ganz ohne Fotos aus, ist aber illustriert.

Welche glutenfreien Mehlsorten es gibt, habe ich hier für Euch zusammengetragen. Natürlich ist die Liste nicht vollständig, es gibt daneben noch so viele Nuss- und Samenmehle wie Hanfsamenmehl, Kürbiskernmehl, Chiasamenmehl, usw.

Einige Mehlsorten werden im Buch von Simone Stefka genauer beleuchtet und zwar auch auf ihre Backeigenschaften hin.

  • Maismehl und auch Masa Harina (aus weißen Maiskörnern), Polenta und Maisstärke machen den Anfang.
  • Weiter geht es mit einem Nachtschattengewächs – der Kartoffel. Kartoffeln kann man auch zum Backen verwenden, eine besondere Rolle spielt Kartoffelstärke, auch als Kartoffelmehl im Handel.
  • Dann gibt es eine kleine Warenkunde rund um Reis. Hier gibt es nicht nur Reismehl, sondern auch Klebreismehl (meist nur in asiatischen Lebensmittelläden erhältlich) mit besonders hohem Quellungs- und Verdickungsvermögen.

Andere Mehlsorten, die erwähnt werden:

  • Hirse: Hirsemehl macht die Backwaren leicht und locker, aber auch krümelig. Bei ohnehin lockeren Teigen sollte daher nur ca. 20 Prozent Hirsemehl enthalten sein.
  • Teff (auch Zwerghirse) ist sehr nährstoffreich. Es gibt helles, dunkles und rotes Teffmehl, die geschmacklich alle etwas unterschiedlich schmecken. Helles erinnert ein wenig an Kastanienmehl, dunkles schmeckt etwas nach Haselnuss.
  • Buchweizen
  • Quinoa und Amaranth binden viel Flüssigkeit, sollten nur anteilig (ca. 30 Prozent) der Gesamtmehlmasse ausmachen.
  • Sojabohne
  • Kichererbsen sind hier meist nur in einer Form erhältlich. Neben den Kichererbsen, die wir kennen, gibt es in Asien noch kleinere Sorten, die eher bräunlich sind. Schmeckt als Mehl zart und nussig. Was HIT angeht, muss man individuell austesten, ob man diese Hülsenfrucht verträgt.
  • Kastanienmehl schmeckt leicht nussig-säuerlich. Das Mehl wird schnell ranzig und sollte daher rasch verbraucht werden.
  • Hanfsamenmehl färbt das Gebäck dunkelgrün und schmeckt stark nussig. Kann als geschmacksgebende Zutat beigemengt werden.

Folgende Mehlsorten möchte ich noch ergänzen:

  • Kürbiskernmehl färbt das Gebäck grün (als wäre Matcha im Teig enthalten) und schmeckt leicht nussig. Ich verwende es neben Hanfsamenmehl sehr gerne als geschmacksgebende Zutat.
  • Sesammehl schmeckt nussig, leicht bitter. Muss bei HIT individuell ausgetestet werden.
  • Mandel- und Haselnussmehl eignen sich sehr gut für süßes Gebäck. Nicht jede/r verträgt die beiden Mehlsorten mit HIT. Auch hier heißt es wieder, in kleinen Mengen testen.

Ein paar Praxistips der Autorin:

  • Beim glutenfreien Backen sollte der Ofen unbedingt vorgeheizt werden.

Wird der Teig in den heißen Innenraum geschoben, kann so bereits in den ersten Minuten Feuchtigkeit aus dem Teig verdampfen. Der Innenraum des Ofens füllt sich mit Dampf. Dadurch überträgt sich die Hitze besser auf den Teig und es bildet sich eine schöne, braune Kruste. Ohne Dampf ist die Wärmeleitung viel schlechter, die Oberfläche des Teiges benötigt viermal länger bis zum Beginn des Backvorgangs und trocknet stark aus.

  • Brot direkt nach dem Backen aus der Form stürzen.

Unmittelbar nach dem Backvorgang ist die Feuchtigkeit im Brot sehr ungleich verteilt: Die Kruste ist sehr stark ausgetrocknet, während das Innere noch fast so viel Feuchtigkeit wie der rohe Teig enthält, etwa vierzig Prozent. Tatsächlich verliert das Brot erst jetzt, während des Auskühlens, etwa zehn bis zwanzig Prozent seines Eigengewichts an Wasser. Das Feuchtigkeitsverhältnis von Kruste zu Krume gleicht sich aus.

  • Eiweiß aufschlagen für einen lockeren, zarten Teig. Erst zum Schluss den Eischnee unterheben.
  • Fertiges Brot in Scheiben schneiden und einfrieren und bei Bedarf frisch auftoasten. Glutenfreies Brot verdirbt schneller als „normales“ und sollte daher rasch verbraucht werden oder man friert eben portionsweise ein und taut die Scheiben dann bei Bedarf frisch im Toaster fertig auf.

Alles in allem ist das Buch von Simone Stefka ein super Handbuch zum glutenfreien Backen sowohl für EinsteigerInnen als auch für Fortgeschrittene. Es gibt zahlreiche Praxistips und Erklärungen rund ums glutenfreie Backen. Viele Rezepte lassen sich einfach an die Bedürfnisse mit Histaminintoleranz anpassen oder sind sogar histaminarm. Es gibt keine veganen Rezepte im Buch, da in der Regel Eier als Bindemittel verwendet wurden.

Demnächst gibt es ein paar Infos speziell zu Bindemitteln und HIT bei mir auf der Seite.

Zusammenfassung:

  • um die 120 glutenfreie Rezepte
  • 220 Seiten, 16,00 Euro
  • illustriert, keine Fotos
  • keine Fertigmehlmischungen
  • viele praktische Tips und Warenkunde
  • von einer selbst Betroffenen geschrieben
  • nicht alles ist histaminarm
  • leider keine veganen Rezepten
  • Kaufempfehlung: bei Zöliakie/Glutenunverträglichkeit, Glutensensitivität – Ja

bei HIT – ja, mit Einschränkungen

Ich bedanke mich beim Pala-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Aussagen entsprechen meinen eigenen Vorstellungen und sind nicht vom Verlag, der Autorin oder anderen beeinflusst worden.

Guten Appetit!

(c) Histamin-Pirat

Glutenfreie Info-Wochen (Teil 4) – Buchrezension…

Glutenfreie Info-Wochen (Teil 4)

Dieser Beitrag ist Teil meiner Serie „Glutenfreie Info-Wochen“.

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Teil 4: Rezension „Wie der Weizen uns vergiftet

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Im Rahmen meiner glutenfreien Wochen, möchte ich Euch ein Buch vorstellen. Julien Venesson ist Ernährungs-, Fitness- und Gesundheitsberater und der Sohn einer Apothekerin, die mit Reizdarm-Syndrom diagnostiziert wurde.

Venesson schreibt also das Buch aus der gleichen Perspektive wie ich diesen Blog, wenn man so will. Ohne den Mann an meiner Seite, der an Histaminintoleranz leidet, hätte ich mich mit dem Thema HIT wohl erst gar nicht auseinandergesetzt. Genauso hat die Mutter von Venesson ihn wohl auf das Thema Ernährung gebracht, vor allem, um ihr zu helfen. Die Geschichte über seine Mutter und ihr Leiden bildet aber lediglich den Rahmen des Buchs, welches weit über die Beschreibung dieses persönlichen Leidens hinausgeht.

Um ehrlich zu sein, hätte ich ein Buch mit einem derart polemischen Titel wie „Wie der Weizen uns vergiftet“ wohl nicht gekauft, wenn ich es so in einer Buchhandlung gesehen hätte, vor allem, weil Weizen ohnehin schon länger nicht mehr Teil unserer Ernährung hier ist. Wozu also ein Buch, das auf die Gefahren von Weizen noch genauer hinweist? Und vor allem, was hat das denn mit HIT zu tun?

Das Buch ist weit mehr als eine polemische Absage an den Weizen oder lediglich ein „Ratgeber für Glutensensitive“. Venesson hat auf 172 Seiten fundiertes, aktuelles Wissen generell zum Thema Getreide und Ernährung versammelt. Das Buch, das 2014 im Riva-Verlag erschienen ist, lässt sich flott und einfach lesen (ich hatte es nach einem Tag bereits durch) und ist dennoch recht wissenschaftlich – ganz anders also als der Titel vermuten lässt.

Venesson schreibt in der Einleitung selbst

Wenn Sie auf dem Umschlag dieses Buches lesen „Wie der Weizen uns vergiftet“, denken Sie möglicherweise: „Schon wieder so ein Sensationstitel, Unsinn oder Quacksalberei“. Das hätte ich ebenfalls gedacht.

Das Buch fügt sich nahtlos in meinen bisherigen Wissensstand ein und konnte mir darüber hinaus noch ein paar Sachen lehren.

Venesson, der sich auch mit Paläo-Ernährung, der sogenannten „Steinzeit-Diät“, befasst hat, plädiert in seinem Buch für den Verzicht auf glutenhaltige Nahrung. Das Buch ist aber eigentlich kein „Paläo-Buch“. Er berührt daneben verschiedene andere wichtige Themen der Ernährung: Die generellen Funktionsmechanismen der Verdauung werden erklärt, er plädiert weiter für den Verzicht auf Kuhmilch, einige Themen wie Glykation und der glykämische Index, das Hormon Zonulin und welche besondere Rolle die Tight Junctions bei der Verdauung spielen, werden genauer beleuchtet.

Venesson geht auf diverse Krankheiten ein, die im Zusammenhang mit glutenhaltiger Ernährung stehen, so z.B. auf Zöliakie, Glutensensitivität, Reizdarm-Syndrom, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Rheumatoide Arthritis und Arthrose und auch Schizophrenie, Epilepsie und Autismus. Für seine Behauptungen führt er jeweils verlässliche, wissenschaftliche Quellen an, die im Anhang des Buches genau verzeichnet sind. Der interessierte Leser bzw. die interessierte Leserin kann also genau nachvollziehen, wie Venesson zu der einen oder anderen Aussage kommt. Histaminintoleranz fehlt in der langen Liste der Krankheiten, die Venesson in Zusammenhang mit Gluten bringt. Warum das Buch gerade für Menschen mit HIT dennoch interessant ist, dazu komme ich noch.

Zwischendrin wird es bei den Krankheitszusammenhängen manchmal etwas polemisch, so scheint es zumindest:

Falls Sie das Glück haben, weder an Spondylitis ankylosans noch an rheumatoider Arthritis zu leiden, besteht dagegen die Aussicht, dass Sie eines Tages Arthrose bekommen, die weltweit häufigste Gelenkerkrankung.

Der Autor möchte aber seine LeserInnen nicht zu Hypochondern erziehen, im Gegenteil, darauf aufmerksam, wie vielschichtig die Auswirkungen von Gluten, insbesondere von Weizen, auf unsere Gesundheit sind. Was also etwas polemisch daherkommen mag, ist letztlich als guter Rat zu verstehen sich vor eventuellen Krankheiten zu schützen, wenn man etwas weiterliest.

Weizen und generell Getreide ist lange wesentlicher Bestandteil unserer Ernährung gewesen, warum verursacht er bzw. es dann so viele gesundheitliche Probleme?

Hierzu räumt Venesson zunächst einmal mit dem ersten Vorurteil auf – Getreide ist, wenn man sich die Menschheitsgeschichte im Gesamten anschaut, wirklich noch nicht lange Teil der menschlichen Ernährung:

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Er schreibt hierzu weiter:

Laut Spezialisten wie Professor Staffan Lindeberg von der Universität Lund in Schweden bestand die Nahrung des Menschen der Altsteinzeit aus süßen Früchten, Beeren, Sprossen, Knospen, Blüten und jungen Blättern, Fleisch, Knochenmark, tierischen Innereien, Fischen und Krustentieren, Insekten, Larven, Eiern, Wurzeln, Pflanzenzwiebeln, Ölsaaten und Saatkörnern (außer Getreide).

Für VeganerInnen bzw. VegetarierInnen ist das Buch nur begrenzt zu gebrauchen. Die Informationen sind natürlich korrekt, wer sich jedoch für ein Leben ohne Fleisch entschieden hat, für den birgt eine solche strikte Steinzeit-Diät womöglich Probleme. Wir leben hier mittlerweile auch vegetarisch und dennoch finde ich das Buch sehr interessant.

Venesson schreibt zum Problem heutiger Diät-Gestaltung Folgendes:

„Man kann keinen Weizen mehr essen, weil er schädliches Gluten enthält, man kann keine Milchprodukte mehr essen, weil sie angeblich das Krebsrisiko erhöhen, man kann keinen Fisch mehr essen, weil er mit Schwermetallen belastet ist, man kann kein Fleisch mehr essen, weil es das Krebsrisiko erhöht, man kann keine Konservendosen mehr kaufen, weil sie mit giftigem Bisphenol A beschichtet sind [Anmerkung: so wie jeder Kassenbon auch!], man kann eigentlich gar nichts mehr essen!“

Dies oder Ähnliches höre ich allenthalben. Wir leben tatsächlich in einer belasteten Umwelt voller künstlicher Nahrungsmittel, chemischer Stoffe und toxischer Medikamente. Doch muss man deshalb die Hände in den Schoß legen? Muss man fatalistisch sein? Muss man das Risiko hinnehmen, aufgrund gefährlicher Stoffe ein autistisches Kind zu haben? Zwar kann man nicht alles unter Kontrolle bringen oder alle Risiken ausschließen, aber ist das vielleicht der Grund, alles Mögliche zu essen und gegebenenfalls, ohne hinzusehen, Medikamente zu schlucken? Wenn schon einfache Veränderungen in der Lebensweise die Krankheitsrisiken verringern und die Lebensqualität verbessern können, sollte man dann nicht eine kleine Veränderung in Kauf nehmen?

Es ist im Endeffekt jedem und jeder selbst überlassen, wieviel von Venessons Ernährungstips man befolgen möchte. Kern seiner Theorie bleibt nach wie vor das Getreide und Gluten und viel frisches Obst und Gemüse. Venesson plädiert für Oliven- und Rapsöl, Macadamia-, Lein-, Haselnuss- und seltener Walnussöl. Nicht alles davon geht bei HIT und auch die meisten Rapsölsorten, die man zu kaufen bekommt, sind eher minderwertig. Hier gehe ich also mit dem Autoren nicht ganz einher. Zu meiden sind meiner Meinung nach Mais-, Sonnenblumen- (soweit gehe ich mit!) und Traubenkern- und Distelöl (hier gehen unsere Meinungen auseinander). Öle wie Hanfsamen-, Kokosnuss- oder Schwarzkümmelöl, die ich gerne nutze, kommen gar nicht vor. Das Buch enthält Tips, keine konkreten Rezepte und als Tips bzw. Vorschläge sollte man diese auch behandeln.

Zu dieser Problematik „Veggie vs. Paläo“ habe ich mich hier schon einmal geäußert. Es gibt bei beiden Schnittmengen. So sehr ich ohnehin gegen das strikte befolgen von Trends bin, lebe ich eine Art Mischform beider: Ich esse zwar kein Fleisch, aber manchmal Fisch (obwohl ich um die Probleme wie Überfischung und die Schwermetall-, Plastik – und radioaktive Belastung der Meere weiß). Dieser sollte nicht aus Aquakultur stammen, weil er dann zusätzlich meist mit Antibiotika oder anderen Medikamenten belastet ist. Fisch ist ein Kompromiss, den ich eingehe, um B12 nicht supplementieren zu müssen. Gegen (Massen-)Tierhaltung bin ich aber, daher keine Aquakulturen oder Fleisch. Ich esse Hülsenfrüchte (manchmal auch mein Freund – ich bin gegen eine strikt histaminarme Diät, deshalb gibt es manchmal auch (rohen) Kakao, Pilze und mehr). Ansonsten gibt es viel Frisches und ich mache viel selbst, wir essen kein Weizen und mittlerweile öfter vegan und glutenfrei. Wenn Eier verwendet werden, dann nur Bio-Freilandeier von Hühnern, die möglichst ohne Soja gefüttert wurden (mehr dazu hier).

Was mir besonders an dem Buch gefällt, ist Venessons kritische Haltung gegenüber Big Pharma und der damit verbundenen Forschung. Sein Appell geht an den mündigen Leser bzw. die mündige Leserin:

In der Forschung zur Schädlichkeit von Gluten gibt es hingegen kaum bis gar keine finanziellen Interessen, daher müssten die hier vorgestellten Daten schon aufgrund ihrer großen Seriosität zur Kenntnis genommen werden! Ganz ähnlich sieht es im Bereich der Ernährungsforschung und der Pflanzenheilkunde aus. Nehmen wir den Knoblauch als Beispiel: Von jeher wurden ihm diverse günstige Eigenschaften zugeschrieben, und zwar definitionsgemäß, ohne irgendeinen wissenschaftlichen Beweis. Heute gibt es zahlreiche Forschungen zum Knoblauch, die alle seine prositive Wirkung auf den Blutdruck, auf Herz und Kreislauf oder die Immunabwehr [jeweils mit Quellenangaben versehen] bestätigt haben. Falls Sie also morgen feststellen, dass Wasser nass macht, warten Sie keine wissenschaftlichen Beweise ab, bevor Sie zu einem Regenschirm greifen.

Im Interview mit einem französischen Fachgutachter bei der für Lebensmittelsicherheit, Umweltschutz und Arbeitsschutz zuständigen Behörde Anses [Frankreich] kommt zudem heraus, dass zwar GVOs bzw. GMOs getestet werden müssen, sogenannte „Hybride“ – neue Kreuzungen bei Pflanzen, die gezielt vollzogen wurden, aber nicht. Dabei bergen beide potentiell Gefahren für den Menschen. Unser hochgezüchteter Weizen heutzutage, ist ein solcher Hybrid, welcher mehr Gluten und auch mehr ATI enthält. ATI (Amylase-Trypsin-Inhibitoren), das sind Abwehrstoffe des Weizens, aber auch von anderen Getreidesorten, wodurch das Korn vor Schädlingen geschützt wird. Hier gibt es etwas mehr über ATI. Amylase, das ist ein Enzym, das z.B. auch gebraucht wird, um Kohlenhydrate zu verdauen. Neben den Abwehrstoffen im Weizen, die auch die Amylase hemmen oder blockieren (Inhibitor), gilt Fluorid als Amylase-Inhibitor. Daher ist meine Zahnpasta ohne Fluorid. Einige werden sagen: „Aber ich esse doch meine Zahnpasta nicht, wieso ist Fluorid in der Zahnpasta dann schlecht für die Verdauung?“ Davon abgesehen, dass manchmal doch Zahnpastateile verschluckt werden, sei gesagt, dass wir Stoffe auch über die Schleimhäute im Mund aufnehmen. Ein Effekt tritt hier aber sicher erst mit regelmäßigen Kontakt über einen längeren Zeitraum auf – nur putzen wir täglich 1 bis 3-Mal Zähne, oder?

Venesson kritisiert auch die offiziellen Empfehlungen der deutschen Gesellschaft für Ernährung und die der österreichischen und schweizerischen Institutionen weiterhin viel Getreide, Reis, Nudeln und Vollkornprodukte zu essen.

Insbesondere für mich, mit meinem politikwissenschaftlichen Background, war der Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Rockefeller-Stiftung, neuer Weizensorten (mit mehr Gluten & ATI) und der Green Revolution sehr interessant. Für diejenigen, die zu diesem Thema mehr erfahren wollen, empfehle ich die drei-teilige Doku „The Corporation“, wo u.a. auch hinterfragt wird, welche Methoden gegen Hunger wirklich sinnvoll sind bzw. welche eigentlich nur dem Profitgedanken einiger weniger geschuldet sind, auch wenn Venesson diese Kritik nur implizit übt.

Ähnlich implizit fällt seine Kritik am Impfen aus, aber er erwähnt die Möglichkeit von Impfschäden zumindest. Auch das Thema Psychopharmaka und Neuroleptika berührt Venesson in dem Buch. Für meinen Geschmack könnte seine Kritik hier noch deutlicher ausfallen.

Explizit kritisiert Venesson McDonald’s, vor allem, wenn es um, was er „Konditionierung“ nennt, geht.

Wussten Sie, weshalb manche Fast-Food-Restaurants zu den Kindermenüs Spielzeug verschenken? Etwa aus lauter Zuneigung zu den lieben Kleinen? Es gibt zwei Gründe dafür: Erstens kann das Kind spielen, solange es sein Menü isst, und wird dann seine Eltern dazu bringen wollen, wieder in dieses Schnellrestaurant zu gehen. Zweitens wird ein Ort, den wir in der Kindheit wiederholt besucht haben und der mit positiven Erinnerungen aufgeladen ist, uns so konditionieren, dass wir später Lust haben, unsere eigenen Kinder dorthin mitzunehmen. Daher hat die kalifornische Regierung, um die Gesundheit der Kinder zu schützen, im April 2010 der Fast-Food-Kette McDonald’s untersagt, ihre „Happy Meals“ für Kinder mit Spielzeug zu kombinieren.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich war auch so ein Kind, das früher genau deswegen gerne zu McDonald’s gegangen ist, weil es da die Simbafigur zu König der Löwen gab oder sonstwas, was ich in dem Alter toll fand. Mittlerweile gehe ich nicht mehr zu McDonald’s. Schritt 2 der Konditionierung hat also nicht gewirkt 😉

Das Thema der Durchlässigkeit der Darmschleimhaut wird intensiv im Buch besprochen. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle. Wichtig sind z.B. das Hormon Zonulin und die sogenannten Tight Junctions, die die Saumzellen im Darm verbinden und somit die Durchlässigkeit des Darms sehr direkt beeinflussen. Gliadin vom Weizen mogelt sich mitunter durch diese Tight Junctions hindurch und macht so den Darm durchlässig. Ein Problem mit Gliadin haben übrigens auch Gesunde, es wird nicht richtig verdaut und erhöht die Zonulinproduktion, was wiederum den Darm durchlässiger macht. Zonulin reguliert den Wasserhaushalt (bei einer Magen-Darm-Entzündung ist die Wasserresorption im Darm gestört, was zu Durchfall führt). Außerdem reguliert Zonulin den Übergang der äußeren Moleküle und der Leukozyten (weiße Blutzellen) vom Darm ins Blut, sowie den der Bakterien; Zonulin schützt uns so vor einer bakteriellen Besiedlung (es handelt sich um eine angeborene Immunität, im Gegensatz zur erworbenen Immunität). Weizen regt die Zonulinproduktion enorm an.

Mais und Quinoa, obwohl beide glutenfrei sind, gelten laut Venesson nicht ganz als einwandfrei – und das nicht, wie man annehmen könnte (insbesondere bei Mais), wegen GMOs, sondern weil Mais und Quinoa offenbar auch die Tight Junctions beeinflussen, bei Quinoa kann es mitunter zu Kreuzreaktionen kommen bei Menschen, die auf Gluten empfindlich reagieren. Auch Kartoffeln machen anscheinend den Darm durchlässiger. Venesson empfiehlt stattdessen Reis, Buchweizen (geht nicht immer bei HIT, individuell testen), Amaranth (s. Buchweizen), Millet-, Sorghum- oder Foniohirse und Teff (Zwerghirse), ansonsten empfiehlt er Süßkartoffeln, Mainok, Taro, Yamswurzeln und Pastinaken.

Was ich lange vermutet hatte, bestätigt mir Venesson, indem er wieder den Bogen zu seiner Mutter mit Reizdarm-Syndrom macht, welches angeblich ein Stress bedingtes Problem ist. Laut ihm ist Reizdarm-Syndrom eine Fehldiagnose bzw. eine unzureichende Diagnose. Eine milchfreie, glutenfreie Ernährung hat seiner Mutter sehr geholfen. Venesson macht darauf aufmerksam, dass es neben Zöliakie noch diverse andere gluteninduzierte Krankheiten gibt – bis hin zur Glutensensitivität, die nur schwer zu testen ist.

Warum ist dieses Buch also auch für Betroffene von Histaminintoleranz interessant? Ganz einfach, weil Weizen im Besonderen, aber auch Getreide im Allgemeinen unseren Darm schädigt bzw. durchlässiger macht. Wer also trotz streng histaminarmer Diät (wogegen ich ohnehin bin) immer noch Beschwerden hat, findet vielleicht mit einer milchfreien, glutenfreien Diät bei geringem glykämischen Index den „missing link“ und die lang ersehnte Besserung.

Yasmina von The Low Histamine Chef (s. Links), die übrigens auch nichts vom sturen Listen-Befolgen hält, ernährt sich ähnlich, nämlich nicht immer histaminarm, aber sehr nährstoffreich, glutenfrei, milchfrei und sie verwendet Zutaten, die ihren Zuckerspiegel nicht so durcheinander werfen, d.h. mit niedrigem glykämischen Index (kurz: GI).

Zusammenfassung:

  • Informationen rund um das Verdauungssystem allgemein
  • praktische Tips für die Einkaufsliste
  • gut recherchiert und wissenschaftlich belegt
  • Kaufempfehlung: Ja
  • Kosten: 14,99 Euro beim Riva-Verlag

Ich bedanke mich beim Riva-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Aussagen entsprechen meinen eigenen Vorstellungen und sind nicht vom Verlag, dem Autor oder anderen beeinflusst worden.

(c) Histamin-Pirat

Glutenfreie Info-Wochen (Teil 1): Zauberhafte Weihnachtsbäckerei…

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Dieser Beitrag ist Teil meiner Serie „Glutenfreie Info-Wochen“.

Das nachfolgende Rezept stammt (mit leichten Abänderungen) aus dem Buch „Zauberhafte Weihnachtsbäckerei – glutenfrei“ vom Pala-Verlag (S. 36), das ich Euch heute vorstellen möchte.

Das Rezept reiche ich außerdem zur Blogparade „Weiß wie der Schnee“ beim Küchen-Atlas-Blog ein.

KüchenAtlas-Blogparade: Weiß wie der Schnee

Glutenfreie, histaminarme „Hirseköpfchen“ ODER „Schneebälle“ (mit laktosefreier Option)

Zubereitungszeit:

ca. 25 Minuten + ca. 20-25 Minuten Backzeit

Schwierigkeit:

einfach

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Zutaten für 1 Blech :

  • 40g Hirse ODER ca. 100g gegarte Hirse
  • 1 Eigelb
  • ca. 55g weiche Butter ODER Kokosöl (ich habe beides gemischt)
  • 70g Rohrohrzucker ODER Kokosblütenzucker
  • 100g Maisstärke
  • 100g Braunhirsemehl
  • 1/2 Päckchen glutenfreies Backpulver
  • 25g selbst gemachter Vanillezucker
  • 1/2 TL Lebkuchengewürz (wenn das vertragen wird, ansonsten bitte ein anderes verträgliches Gewürz nehmen, im Original ist 1 TL gemahlener Ingwer angegeben, den hatte ich aber gerade nicht auf Vorrat)
  • Roh-Rohrpuderzucker zum Bestäuben

Zubereitung:

  1. Die Hirse in der dreifachen Menge Wasser aufkochen, 10-15 Minuten köcheln lassen, vom Herd nehmen und weitere 30 Minuten quellen lassen. Ab und zu umrühren und anschließend abkühlen lassen.
  2. Nun den Backofen auf 180°C vorheizen und ein Backblech mit Backpapier vorbereiten.
  3. In einer großen Schüssel die abgekühlte Hirse mit Eigelb, Butter/Öl, Zucker, Vanillezucker, Maisstärke, Braunhirsemehl, Gewürz und Backpulver verkneten.
  4. Nun mit einer Hand kleine Kügelchen aus dem Teig formen (ca. so viel wie ein gehäufter TL Teig pro Stück). Die Kügelchen auf das Backblech setzen und ca. 20-25 Minuten im Backofen (in der Mitte einschieben) backen.
  5. Danach auf einen Teller oder ein Kuchengitter setzen und mit Puder- bzw. Staubzucker bestäuben.

Rezension „Zauberhafte Weihnachtsbäckerei – glutenfrei“ von Anja Völkel:

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Das Buch, geschrieben von einer Betroffenen, die u.a. auch an Histaminintoleranz leidet, bietet zahlreiche glutenfreie Weihnachtsleckereien zum Nachbacken. Anja Völkel hat das Buch mit kleinen Geschichten, Reimen und Bastelideen versehen. Lisa Apfelbacher hat zahlreiche Illustrationen zu den Rezepten beigesteuert.

Wer den Pala-Verlag kennt, weiß, dass die Kochbücher stets vegetarisch oder sogar vegan gehalten sind und dass es keine Fotos gibt. Während ersteres sehr erfreulich ist, mag zweiteres den einen oder die andere enttäuschen. Der Verlag druckt zu 100 Prozent auf recycletem Papier und produziert seine Werke klimaneutral. Hochglanzfotos passen da eben leider nicht ins Konzept.

Da ich ohnehin mehr Wert auf Inhalt als auf Form lege, stört mich das Fehlen der Fotos gar nicht. Im Gegenteil, so wird die Fantasie angeregt, was man denn mit dem einen oder anderen Rezept sonst noch so machen kann…

Trotz der Doppelintoleranz der Autorin sind einige Rezepte nur mit Anpassungen „histamintauglich“, wie ich immer sage. Zitronen-, Orangenkuchen, Rumbrezeln und anderes könnte so manchem/r schwer im Magen liegen.

Da mit glutenfreiem Mehl gebacken wird, enthalten manche Rezepte viele Eier (mitunter bis zu 5). Auch das verträgt in der Masse vielleicht nicht jede/r. Hier muss man selbst etwas erfinderisch werden und z.B. einige Eier durch Chiasamenmehlmix oder dergleichen austauschen.

Speziell für Betroffene von Histaminintoleranz ist jedoch der Abschnitt „Basics“ sicher sehr interessant. Völkel gibt einfache Rezepte zur Hand, wie man z.B. Vanillezucker, dunkle oder helle Kuvertüre und Nougatmasse selber machen kann. Dieser kleine Fundus kann natürlich auch für andere Rezepte genutzt werden und ich fand ihn sehr wertvoll.

Das Buch beschränkt sich, wie es ein Kochbuch tun sollte, auf praktische Küchentips und Rezepte. Große Erläuterungen zum Krankheitsbild der Zöliakie oder dergleichen gibt es nicht. Dafür eignen sich Ratgeber- und Fachbücher. Demnächst stelle ich Euch auch noch informative Bücher zum Thema vor.

Was jedoch im Buch enthalten ist, ist eine „Kleine Warenkunde“ und auch die ist Gold wert.

Die Autorin stellt eine kurze Geschichte des Gebrauchs von Getreide voran und geht dann auf einzelne glutenfreie Mehlsorten ein. Sie beschreibt dabei Konsistenz, Unterschiede zu regulärem, glutenhaltigem Mehl und Geschmack einzelner Mehlsorten, darunter z.B. Hirse-, Quinoa-, Buchweizen-, Reis-, Mais- und Kastanienmehl. Darauf folgt eine kurze Zusammenfassung weihnachtlicher Gewürze und von Nüssen bzw. vom dem, was im allgemeinen Sprachgebrauch unter „Nüssen“ verstanden wird. Mehr zum Thema „Nüsse“ hier.

Im Buch werden keine Fertigmehlmischungen verwendet, was ich sehr lobenswert finde. So kann man selber auch mit einzelnen Sorten zu experimentieren anfangen.

Zusammenfassung:

  • um die 120 glutenfreie Rezepte
  • 160 Seiten, 14,00 Euro
  • illustriert, keine Fotos
  • keine Fertigmehlmischungen
  • viele praktische Tips und Warenkunde
  • von einer selbst Betroffenen geschrieben
  • nicht alles ist histaminarm
  • leider keine veganen Rezepten
  • Kaufempfehlung: bei Zöliakie/Glutenunverträglichkeit, Glutensensitivität – Ja

bei HIT – nur bedingt

Ich bedanke mich beim Pala-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Aussagen entsprechen meinen eigenen Vorstellungen und sind nicht vom Verlag, der Autorin oder anderen beeinflusst worden.

Guten Appetit!

(c) Histamin-Pirat

 

Die Histaminintoleranz kommt selten allein…

Tips

zum Thema andere Intoleranzen mit Histaminintoleranz

Dieser Beitrag befasst sich mit anderen Intoleranzen bzw. Unverträglichkeiten, die neben der Histaminintoleranz zusätzlich belasten können.

Zum Thema „Allergien“ lest hier weiter.

Glutenunverträglichkeit/Zöliakie

Bei einer Glutenunverträglichkeit bzw. Zöliakie verträgt man den Klebereiweiß, auch Gluten genannt, der meisten Getreidesorten nicht.

Folgende Getreidesorten enthalten Gluten und sind daher zu meiden:

  • Weizen
  • (Hafer)
  • Dinkel
  • Roggen
  • Gerste
  • Triticale
  • Grünkern
  • Kamut

Sonderfall Hafer:

In der Regel enthält Hafer durch Einkreuzungen Gluten. Im Fachhandel (Reformhaus, Bioladen oder Lebensmittelversand) gibt es mittlerweile aber auch glutenfreies Hafermehl und glutenfreie Haferflocken zu kaufen. Glutenfreie Hafermilch konnte ich noch nicht entdecken, kann man aber aus glutenfreien Haferflocken natürlich selber machen.

Folgende Getreide- und Pseudogetreidesorten sind glutenfrei und können alternativ zu oben genannten verwendet werden. Beachtet die histaminbezogenen Hinweise in Klammern. Da Gluten fehlt, sind die Backeigenschaften jedoch anders beim betreffenden Mehl.

  • Amaranth (wird jedoch bei Histaminintoleranz nicht immer vertragen – in kleinen Mengen testen)
  • Buchweizen (wird jedoch bei Histaminintoleranz nicht immer vertragen)
  • Mais (Mehl wird meist vertragen, Mais ansonsten nur frisch bei Histaminintoleranz – in kleinen Mengen testen) 
  • Reis/Wildreis
  • Hirse (Teff, Sorghum, Milo) 
  • Quinoa (wird jedoch bei Histaminintoleranz nicht immer vertragen – in kleinen Mengen testen)
  • Kichererbsen, Soja (Hülsenfrüchte gelten als Histaminliberator und werden daher meist nicht vertragen)
  • Chia
  • Kastanien
  • Traubenkerne/Traubenkernmehl (Hier scheiden sich die Geister: Das enthaltene Oligomere Procyanidin (OPC/PCO) oder auch oligomeres Procyanidin wirkt stark anti-histamin, da es entzündungshemmende Eigenschaften besitzt, zusätzlich enthält es Antioxidantien – nur von Trauben (nicht von Nüssen) verwenden und in kleinen Mengen testen)
  • Kartoffeln/Süßkartoffeln
  • Kokos
  • Mandel (wird nicht immer mit Histaminintoleranz vertragen)
  • Haselnuss (wird nicht immer vertragen), Macadamia wird in der Regel vertragen, Cashewkerne (Steinfrucht), Erdnuss (Hülsenfrucht), Pekannuss, Walnuss, Pistazien (Steinfrucht)

Beim Backen kann man dem glutenfreien Mehl Stärke beimengen (2:1 = glutenfreies Mehl:Stärke), um die Backeigenschaften zu verbessern.

Viele Betroffene von Histaminintoleranz vertragen glutenfreie Produkte besser als glutenhaltige. Dinkel und (normaler) Hafer müssen individuell getestet werden – werden aber meist vertragen bei Histaminintoleranz.

Alle glutenfreien Rezepte auf diesem Blog findet Ihr in der Kategorie „glutenfrei„.

Laktoseintoleranz

Menschen, die unter einer Laktoseintoleranz leiden, müssen auf Milchprodukte großteils verzichten oder auf gezielt verarbeitete laktosefreie Milchprodukte zurückgreifen. Mehrfach habe ich gelesen, dass laktosefreie Milch schlechter als „normale“ Milch bei Histaminintoleranz vertragen wird. Es gilt zu bedenken, dass solchen laktosefreien Milchprodukten in der Erzeugung Laktase zugeführt wird. Dieses Enzym, Laktase, wird aus Schimmelpilzen (Aspergillus) oder Hefen (Kluyveromyces) gewonnen. Und kann daher also Probleme verursachen. Es gibt außerdem die Diskussion, ob Milchprodukte überhaupt gesund sind, ganz allgemein…

Wer Milch ersetzen möchte, so dass es dennoch „histamintauglich“ ist, kann z.B.

  • Reismilch
  • Hafermilch
  • Mandelmilch (wird nicht immer mit Histaminintoleranz vertragen – in kleinen Mengen testen)
  • Kokosmilch – insbesondere gut für Süßspeisen

verwenden.

Sojamilch ist keine Alternative bei gleichzeitiger Histaminintoleranz.

Alle laktosefreien Rezepte auf diesem Blog findet Ihr in der Kategorie „laktosefrei„.

Fruktoseintoleranz

Menschen, die unter Fruktoseintoleranz bzw. Fruktosemalabsorption leiden, müssen sehr genau auf ihren Zuckerkonsum achten. Der Fruchtzucker Fruktose, aber auch Glukose, werden nur schlecht abgebaut. Wie eine Laktose-, Histamin- oder andere Intoleranz kann eine Fruktoseintoleranz erworben oder angeboren sein (hereditäre und intestinale FI).

Der Rezeptefilter „fruktosearm“ ist noch in Aufbau. Aber in Zukunft findet man damit fruktosearme Rezepte.

Problematisch ist nicht nur zusätzlich hinzugefügter Kristall- oder Rohrzucker, sondern auch in den Lebensmitteln enthaltener Zucker.

Verhältnismäßig viel Fruktose ist z.B. in Apfel, Birne, Dattel, Feige, Mango, Pflaume, Traube, Rosinen, Trockenfrüchten enthalten.

Süßungsmittel wie Fruchtzucker, Fruktosesirup, Fruktose-Glukosesirup, Honig, Zuckeraustauschstoffe (Sorbit, Isomalt, Xylit, Maltit, Mannit), Apfelkraut, Birnendicksaft enthalten auch viel Fruktose.

Alternativ eignen sich Traubenzucker, Stevia, Reissirup, Dinkelsirup und Süßkraut als Süßungsmittel.

Sorbitintoleranz

Die Sorbitintoleranz hat, was die Lebensmittel angeht, ein paar Schnittmengen mit der Fruktoseintoleranz. Sorbit ist ein Zuckeralkohol, der bei Sorbitintoleranz nur schlecht abgebaut werden kann. Zuckeraustauschstoffe (Sorbit, Isomalt, Xylit, Maltit, Mannit) sind auch hier problematisch. Daher sollten insbesondere Light-, Diabetiker- und Diätprodukte gemieden werden. Sorbit wird in vielen anderen Lebensmitteln als Feuchthaltemittel eingesetzt (E 420). Außerdem ist es oft in Kaugummi und Zahnpasta enthalten. Sorbit findet man auch in Trockenfrüchten und Konserven. Traubenzucker und normaler Zucker gelten als alternative Süßungsmittel.

Salicylatintoleranz

Zu diesem Thema wird noch ein separater Beitrag auf dem Blog folgen.

(c) Histamin-Pirat