Paläo und HIT – eine Buchrezension…

Paläo und HIT – Hilft’s? (eine Buchrezension)

Über Histaminintoleranz allgemein

Die mutmaßlichen Ursachen für Histaminintoleranz erstrecken sich über eine ziemliche Bandbreite. Einige haben unsere moderne Lebensmittelindustrie im Verdacht, vor allem, wenn wir auf Zusatz- und Aromastoffe und hochgezüchtete Lebensmittel – sogenannte „Hybride“ – wie Weizen zu sprechen kommen, im Ausland tippt man auf gentechnisch veränderte Lebensmittel, die hierzulande zwar für den menschlichen Verzehr nicht zugelassen sind, aber, was die Ernährung von sogenannten „Nutztieren“ anbelangt, muss das nicht so sein, es sei denn, die Tiere sind entsprechend als „bio“ gekennzeichnet – dann haben sie biologisch zertifiziertes Futter erhalten. Daneben werden Schwermetallbelastungen (Stichwort: alte Amalgamfüllungen) und diverse andere Umwelteinflüsse wie etwa Pestizide diskutiert. Eine genetische Disposition ist nicht auszuschließen.

Und bei der Fülle dieser Ursachen gestaltet sich meist auch die Histaminintoleranz, so meine Erfahrung, recht individuell. Der eine verträgt ohne Probleme, was die andere schon in kleinsten Mengen in die Notaufnahme befördern würde. Auch symptomatisch können Herzbeschwerden neben Migräne und Atemproblemen auftreten oder auch alles zusammen, usw.

Gemeinsam ist aber doch allen – so schwer es meist zu diagnostizieren ist (viele berichten mir und so war es auch hier, dass sie eine lange Ärzte-Odyssee hinter sich haben bis jemand auf Histaminintoleranz getippt hat und richtig liegt) – dass zu viel Histamin problematisch ist und man irgendwie sein Histamin-Level in den Griff bekommen muss. Am wichtigsten hier ist die richtige Ernährung. Aber was heißt nun im individuellen Fall „richtige Ernährung“?

Ich habe schon mehrfach beschrieben, dass ich vom bloßen Weglassen (oder Eliminieren) von Lebensmitteln wenig halte, aber man muss eine Balance für sich finden und das bedeutet in der Regel trial and error, also einfach Ausprobieren, was und wieviel geht. Zum Glück gibt es viele Lebensmittel oder Lebensmittelbestandteile, die dabei helfen Histamin abzubauen, sogenannte Antihistaminika. So kommen Vitamin C, Zink, Kupfer, Vitamin D und Magnesium besondere Funktionen zu und natürlich den Lebensmitteln, die das in höherer Konzentration enthalten. Wir sind besondere Fans von z.B. Chia-Samen (Zink und Kupfer), Petersilie (Vitamin C), Brokkoli (Vitamin C) und diversen Fischsorten (Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren) – was? Fisch?! Ja, es kursiert das Gerücht Fisch sei ganz schlimm, aber das stimmt so pauschal nicht. Es gibt lediglich ein paar Dinge zu beachten: Der Fisch sollte noch auf See vorbereitet werden, d.h. die Gedärme sollten gleich entfernt werden und dann sollte er möglichst sofort eingefroren werden und die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden. Außerdem empfehle ich nur Fisch aus Wildfang zu kaufen, keinen aus Aquakultur! Letzterer ist oft mit Antibiotika belastet und überhaupt hat das nichts mit artgerechter Tierhaltung zu tun. Ein paar Fischsorten sind dennoch nicht zu empfehlen, darunter etwa Thunfisch oder Makrele. Mit Lachs, Forelle, Dorsch/Kabeljau und Seelachs haben wir aber gute Erfahrungen gemacht. Abgesehen von der Forelle bin ich etwas im Unklaren, wie es mit Süßwasserfischen aussieht. Tendenziell anscheinend eher nicht so gut, es sei denn, es sind Raubfische wie etwa Hecht, die scheinen zu gehen.

Von all den Ernährungstrends, die es so gibt, fallen zwei, was Histaminintoleranz angeht, besonders auf:

Vegetarisch vs. Paläo

Ich habe hier schon einmal etwas zu diesen beiden Trends im Vergleich geschrieben. In der Tat stehen beide berechtigt nebeneinander. Wir haben den vegetarischen Weg eingeschlagen (mit jedoch ab und zu Fisch). Mein Problem mit Paläo ist der hohe Fleischkonsum. Erstens möchte ich keine Tiere einpferchen, damit ich sie dann irgendwann essen kann und die Lebenwesen hatten kein Leben, aber auch von einem anderen Gesichtspunkt finde ich die Ernährungsweise problematisch, denn wo bekomme ich sehr frisches (wegen Histamin) und dann noch Fleisch von biologisch gefütterten Tieren her? In der Stadt vom Supermarkt eher nicht, vielleicht ist das auf dem Land möglich. Paläo bietet daneben aber viele Vorteile, weil es nicht einfach nur eine „viel-Fleisch-Diät“ ist. Es wird ganz auf Getreide verzichtet (glutenfrei) und auch auf Milchprodukte (laktosefrei) und auf Industriezucker (diabetikerfreundlich bzw. generell einfach gesünder) und auf Hülsenfrüchte (auch auf Soja, was wir auch nicht essen). Daher bietet sich die Paläo-Diät vor allem für AllergikerInnen bzw. Menschen mit Intoleranzen an.

Paläo: Eine Diät geeignet für AllergikerInnen bzw. Menschen mit Intoleranzen

Danielle Walker hat eine ähnliche Geschichte hinter sich, wie ich sie hier auch auf diesem Blog beschreibe. Mit 22 Jahren belastete sie eine Autoimmunkrankheit so stark, dass ihr Leben stark eingeschränkt war. Ernährung und zwar „gesunde Ernährung“ war für sie der Weg aus der Krise. Über ihre Erfahrungen schreibt sie auf dem Blog „Against all grain„.

Vor kurzem erschien im Riva-Verlag die deutsche Version des New-York-Times-Bestsellers von Danielle Walker  „Against all grain: Meals made simple: Gluten-free, dairy-free, and paleo recipes to make anytime“ – „Paläo-Küche für jeden Tag – Über 100 einfache Rezepte ohne Gluten, Getreide und Milchprodukte“.

(c) Riva-Verlag

Das Buch macht nicht nur optisch was her. Ich bin ein großer Fan von gebundenen Büchern bzw. Hardcovern – die liegen einfach besser in der Hand, so auch Danielle Walkers Buch. Das Buch ist durchgehend wunderbar mit Farbfotografien bebildert. Eingangs beschreibt sie kurz, wie sie zur Paläo-Diät gekommen ist und dann geht’s auch schon in media res: eine kurze Zutatenlehre folgt. Was brauche ich denn im Schrank, wenn ich ohne Getreide und ohne Milchprodukte und ohne Hülsenfrüchte kochen will? Na, Kokosmehl und hochwertige Öle zum Beispiel, wie etwa Olivenöl ode Kokosöl. Und statt Zucker? Ahornsirup (den verwende ich auch sooo gerne als Zuckerersatz), Honig oder Kokosblütenzucker tun es auch.

Danach nimmt Danielle den Leser/die Leserin an die Hand und erklärt, worauf beim Einkaufen besonders zu achten ist: Bio, keine Gentechnik, Freilandhaltung und artgerechtes Futter (Stichwort: Gras gefüttertes Weiderind), usw.

Zusammenfassend gibt es noch einmal eine komplette Liste von Ananas bis Zwiebel, welche Lebensmittel (auch Gewürze und mehr) in den Paläo-Kühl- und Vorratsschrank gehören.

Weiter geht’s mit einer Führung durch ihre Küchenutensilien. Vom Mixer bis zum Cup-Messbecher (ja, ein Kochbuch aus Amerika!) sollte man einiges da haben.

Daraufhin stellt sie ihren 8-Wochen-Plan vor für Paläo-EinsteigerInnen bzw. solche, die diese Ernährungsform einfach einmal ausprobieren wollen. Die Rezepte zu den einzelnen Tagen folgen später.

Die Rezepte sind logisch in Kategorien eingeordnet: Frühstück – Suppen & knackige Salate – Geflügel – Rind, Schwein & Lamm – Fisch und Meeresfrüchte – Beilagen – Basics, Saucen & Co – Süße Köstlichkeiten.

Abschließend gibt es noch ein paar Einkaufstips (Adressen) und Nährwertangaben und natürlich die Einkaufslisten für jede Woche des 8-Wochen-Plans.

Da wir kein Fleisch essen, fallen einige Rezepte weg und was Histaminintoleranz angeht, würde ich auch auf Schwein generell verzichten, selbst, wenn ich kein Vegetarier bzw. keine Vegetarierin wäre. Bei den Backrezepten fällt auf, dass wirkliche viiiele Eier verwendet werden, wie das oft in Glutenfrei-Backbüchern üblich ist. Gerade für Histamin-Geplagte kann es sinnvoll sein hier einige Eier durch Chia-Samen-Gel zu ersetzen. Schade, dass die Autorin darauf nicht selbst hinweist. Generell wird auf Histaminintoleranz nicht speziell eingegangen. Man muss also gegebenenfalls selbst einige Zutaten ersetzen oder weglassen.

So zum Beispiel beim Kürbisbrot die Muskatnuss. Die Sonnenblumenkernbutter kann vielleicht durch Mandelbutter oder Kokosmus ersetzt werden.

Selbst in den Salaten ist oft Fleisch und so wurde ich hier nicht fündig. Lediglich die Beilagenrezepte bieten vegetarische Alternativen, sind aber eben nur Beilagen. Die Basics sind sehr gut gemacht. Hier gibt es Anleitungen für selbst gemachte Dressings, Pesto, Mandelmilch & Co.

Fazit

Das Buch ist sehr empfehlenswert für Paläo-Neulinge und -Interessierte und auch für Betroffene von Laktose- und/oder Glutenintoleranz – für Betroffene von Histaminintoleranz jedoch nur bedingt, für VegetarierInnen und VeganerInnen nicht.

Zusammenfassung

  • 336 Seiten, Hardcover mit farbigen Fotografien
  • über 100 Paläo-Rezepte (glutenfrei, laktosefrei, ohne Hülsenfrüchte und ohne Industriezucker)
  • 8-Wochen-Plan mit Einkaufslisten und Tips zur Vorratshaltung
  • Küchenbasics wie Rezepte für Pesto, Mandelmilch & Co
  • keine Tips zu Histaminintoleranz, nicht vegetarier-freundlich
  • 24,99 Euro, erschienen im Riva-Verlag

Ich bedanke mich beim Riva-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

Vegan schnell schnell…

Heute gibt es mal wieder eine Buchvorstellung und ein Rezept gleich mit dazu (weiter unten).

Vegan schnell schnell“ – so heißt das neue Buch von Josita Hartanto nach „Vegan genial„.

Gleich vorweg: Das Buch ist der Hammer… 🙂

Vegan schnell schnell – genial einfach, einfach genial Josita Hartanto

…denn es wird seinem Untertitel „genial einfach, einfach genial“ tatsächlich gerecht. Ziel war es ein Rezeptbuch zu erstellen mit einfach und flink zuzubereitenden Rezepten, die aber mehr hergeben als einfach nur „Pasta mit Sauce“. Die Gerichte sollen nämlich auch „gästetauglich“ sein und optisch was hermachen.

Und das alles ist Josita Hartanto gelungen. Ich bin offen gestanden begeistert. Das Buch ist wunderbar bebildert und macht wirklich Lust aufs Kochen. Zufälligerweise sind einige Rezepte glutenfrei und vieles lässt sich mit leichten Abänderungen „histamintauglich“ machen. Ein Beispiel dafür liefere ich weiter unten.

Die Gerichte lassen sich meist in bis zu 35 Minuten auf den Tisch bringen. Auch wenn ich bei weitem keine so schönen Bilder auf den Blog bringe (bei mir geht in der Regel Inhalt vor Form 😉 ), trifft das bunte Buch genau meinen Nerv. Die meisten Rezepte auf meinem Blog sollen ja auch in kurzer Zeit und auch von Kochneulingen zu bewerkstelligen sein.

Das Buch bietet 90 kreative und leckere Rezepte auf 216 Seiten. Gegliedert sind diese in Vorspeisen & Suppen, Hauptspeisen, Snacks & kleine Sattmacher und schließlich Süßes & Desserts. Den Rezepten ist eine kleine Übersicht vorangestellt, was man so auf Lager haben sollte und was sich auch lange hält – der „Hamsterschrank“.

Darauf solgt eine kleine Warenkunde, wichtige Infos rund um die gängigsten Küchengeräte, die man halt so haben sollte; vom Messer über Flambierer bis zum Nudelholz wird einiges vorgestellt. Man braucht wahrscheinlich nicht alle der genannten Geräte (z.B. Flambierer), aber ein paar Basics sind gut erläutert (z.B. Küchenmesser). Außerdem gibt es eine kleine „Mogelanleitung“, also Tips zum Thema „gekauft geht schneller“. Diese Doppelseite wird aber für Betroffene von Histaminintoleranz nicht wirklich interessant sein, denn fertiger Pizzateig & Co sind tabu.

Ich habe eine Weile getüftelt, welches Rezept ich Euch vorstellen möchte. Definitiv vorgemerkt für die nächste Maroni-Saison sind z.B. die „Maronenknödel mit Rote-Bete-Sauce“. Ungefähr genauso spannend klingt „Vanillespargel“ oder „Kokosnuss-Kürbispasta“ oder…

Entschieden habe ich mich schließlich für „Möhrenpapardelle, karamellisierter Fenchel und Brokkolipesto“. Na, haut Euch nicht allein der Rezepttitel um? Wusstet Ihr, dass man Brokkoli auch roh essen kann? Ich vorher nicht. Für Betroffene von Histaminintoleranz sei aber gesagt, dass rohes Gemüse schwerer zu verdauen ist, aber eben auch nahrhafter. Wenn Ihr rohen Brokkoli nicht vertragt oder mögt, geht das Rezept aber trotzdem, schmeißt den Brokkoli vorher einfach für ca. 8 Minuten in kochendes Wasser.

Möhrenpapardelle, karamellisierter Fenchel und Brokkolipesto

Zubereitungszeit:

ca. 30 Minuten

Schwierigkeit:

einfach

karottennudeln

Zutaten für 2 Personen:

  • 150-200g Brokkoli
  • 3 Karotten
  • 1 Hand voll Hanfsamen (im Original sind Pistazien enthalten)
  • 1-2 Zehen Knoblauch (habe ich ergänzt)
  • Pr. Salz
  • ca. 30ml Hanfsamenöl & ca. 20ml Distelöl (im Original insges. 50ml Rapsöl)
  • 80g Babyfenchel
  • 3 EL Ahornsirup (im Original Zucker mit Wasser)
  • etwas Öl zum Braten (im Original Margarine)
  • Salz und Pfeffer

Auf Orangensaft, Zitrone und Spinat habe ich einfach mal verzichtet (ich habe statt des Blattspinats etwas mehr Brokkoli verwendet).

Zubereitung:

Karotten schälen und mit einem Sparschäler längs in feine Streifen schneiden.

Brokkoli etwas klein schneiden, Knoblauch schälen und zusammen mit Öl, Salz und Hanfsamen im Mixer zu einem feinen Pesto verarbeiten.

Fenchel putzen und mit etwas Ahornsirup in einer Pfanne karamellisieren lassen. Fenchel aus der Pfanne nehmen und warm stellen (Backofen bei 80 Grad – so mache ich das).

Etwas Öl in die Pfanne geben und die Karottenstreifen erwärmen, Pesto dazugeben und gut durchmischen.

Zusammen mit dem Fenchel auf zwei Teller verteilen und mit frisch gemahlenem Pfeffer servieren.

Tip:

Wenn man die Überbleibsel der Karotten nach dem In-Streifen-Schneiden nicht weggeknabbert hat, kann man sie einfach mit ins Pesto mixen.

Hanfsamen und/oder Kürbiskerne eignen sich zum Dekorieren.

Guten Appetit!

Ich hoffe, es schmeckt Euch genauso gut wie mir. Wer in Berlin wohnt und mal keine Lust zu kochen hat, kann übrigens im Lucky Leek trotzdem in den Genuss von Josita Hartantos veganer Küche kommen. War jemand von Euch schon mal da?

Zusammenfassung:

  • 90 vegane Rezepte, zum Teil glutenfrei, leicht histaminarm abzuändern
  • 216 Seiten, farblich bebildert, 19,95 Euro
  • kreative, schnelle und einfache Rezepte
  • manchmal mit Fertigzutaten
  • Kaufempfehlung: ja für VeganerInnen, mit Einschränkungen für Betroffene von Histaminintoleranz

Ich bedanke mich beim Neun-Zehn-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

(c) Histamin-Pirat

Nachtrag: Glutenfreie Info-Wochen (Teil 10): Siegernahrung…

Buchrezension:

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Mit ein wenig Verspätung möchte ich heute noch eine Buchrezension zum Thema „glutenfrei“ nachreichen. Die Post hatte nämlich das Buch verbummelt… es kam aber irgendwann doch bei mir an und ich hatte Gelegenheit mal in den Trainingsplan vom Tennisspieler Novak Djokovic reinzuschnuppern.

Ich bin jetzt kein Djokovic-Fan per se, aber ich habe schon als Kind, damals immer mit meinem Vater, gerne Tennis geschaut. Pete Sampras war damals natürlich der Star oder mein Star 😉 . Novak Djokovic, der übrigens so alt wie ich ist, hat sich erst etwas später zu den ganz Großen des Tennis gesellt- also zu Roger Federer und Rafael Nadal, die nach der Sampras-Agassi-Ära die Spitze übernommen haben. Nicht etwa, dass es Novak Djokovic an Können oder Talent gemangelt hätte, aber sein Körper spielte einfach nicht mit.

Immer wieder hat er mit „Asthma-Anfällen“ für Aufsehen gesorgt und so manches Match musste er aufgeben wegen dem, was damals aussah wie ein Asthma-Anfall. Dabei lag das Problem nicht wirklich bei den Atemwegen – Novak Djokovic ernährte sich einfach vollkommen „falsch“.

Nach Ernährungsumstellung dauerte es dann auch nicht lange bis Djokovic an die absolute Spitze, auf Platz 1 des ATP-Rankings, kletterte. Darüber, was er nun isst und warum, hat er ein Buch geschrieben, das zuerst auf Englisch erschienen ist („Serve to Win“). Die erste deutsche Übersetzung hat der Riva-Verlag veröffentlicht:
Novak Djokovic: Siegernahrung. Glutenfreie Ernährung für Höchstleistung

Novak Djokovic – Siegernahrung

Als Tennisbegeisterte habe ich mich sehr auf das Buch gefreut, war am Ende aber doch etwas enttäuscht. Vor allem, weil der Titel irreführend ist. Das Buch befasst sich nämlich nicht unbedingt mit glutenfreier Ernährung. Das Hauptproblem ist sicherlich, dass nicht ganz herauskommt, ob Novak Djokovic nun eine Weizenallergie oder eine Glutenintoleranz oder -sensitivität hat.

Die Ergebnisse meines Bluttests waren schockierend: Ich hatte eine starke Intoleranz gegen Weizen und Milchprodukte sowie eine leichte Intoleranz gegen Tomaten.

So die ELISA-Ergebnisse. Ein ELISA-Test kann aber auf verschiedenste Dinge testen, u.a. auf Allergien (IgE), auf spezifische Antikörper (IgG), man kann auf Tumormarker usw. testen. Das wird vorher vom Labor bzw. dem Arzt oder der Ärztin festgelegt. Auf welche Antikörper bei Djokovic getestet wurde, wird nicht explizit genannt (ich nehme mal an IgG). Aber auch hier gibt es „false positives“ (falsch positive Ergebnisse). Das Vorhandensein von Antikörpern allein reicht nicht aus.

Etwas später im Buch heißt es dann

Mein ELISA-Test zeigte eine Überempfindlichkeit sowohl gegen Gluten als auch Milchprodukte an.

Zuerst schreibt er lediglich von Weizen, dann allgemein von Gluten. Also was ist es?

Ein weiteres Problem an dem Buch ist, dass Djokovic ein paar Terminologien durcheinanderwirft. Allergie und Intoleranz werden wie gleichbedeutend abwechselnd verwendet. Dabei sind das aber, wie wir wissen, unterschiedliche Dinge. Und auch das hier

Manche Menschen können Gluten ganz einfach nicht verarbeiten – mit entsprechend schweren körperlichen Folgen. Im schlimmsten Fall entsteht eine Zöliakie, eine echte Allergie gegen Gluten.

stimmt so nach derzeitigem Wissensstand nicht. Zöliakie ist wohl eine Mischform aus Allergie und Autoimmunerkrankung.

So ganz kommt also nicht heraus, woran Djokovic genau leidet. Er hat aber dieses Buch geschrieben, das seinen Weg der Besserung beschreibt. Meine persönliche Meinung ist, dass es sich wohl um eine Glutensensitivität handelt. Das würde auch erklären, warum es ihm bereits so viel besser ging, nachdem er lediglich Weizen wegließ. Es gibt die Diskussion, dass bei den Betroffenen nicht unbedingt Gluten, sondern vielmehr ATIs (das sind pflanzeneigene Abwehrstoffe) das Problem sind und die kommen in besonders hohen Mengen in Weizen (aber auch in anderen Getreidesorten) vor. Hier und hier gibt es Infos dazu. Mehr zum Thema Weizen gibt es auch in dieser Rezension von mir nachzulesen.

Eine andere Rezension (vom NMI-Portal) kritisiert, dass Djokovic wohl nie schulmedizinisch richtig diagnostiziert wurde. Das Problem an der Glutensensitivität ist aber, dass es sich lediglich um eine Ausschlussdiagnose handelt und es keine definitiven Marker gibt. Die Rezension vom NMI-Portal hat aber noch mehr Kritik über, z.B. hier:

Ein Buch, in dem er mehrfach jedem empfiehlt sich glutenfrei zu ernähren (z.Bsp Seiten 21, 62). Auch wenn er immer wieder darauf hinweist, dass jeder für sich seine Ernährung finden solle (was auch stimmt), so bleibt der Eindruck einer Art Missionierung auf glutenfreie Ernährung für alle.

Zunächst betont Djokovic, dass sich jede/r individuell nach seinen/ihren Bedürfnissen ernähren sollte. Er schlägt gleichzeitig vor, glutenfreie Ernährung aber einfach mal auszuprobieren. Von Missionierung würde ich da noch nicht sprechen. So schreibt er auf S. 21:

Und so funktioniert es: Zunächst streichen Sie Gluten für zwei Wochen aus Ihrer Ernährung. (Das ist einfacher, als man denkt, wie ich später zeigen werde.) Dann nehmen Sie sich zwei Wochen lang den überflüssigen Zucker und die Milchprodukte vor, und beobachten, wie Sie sich ohne fühlen. (Ich sage voraus: Sie werden sich großartig fühlen.)

In der Tat gibt es einen genauen Einblick (1 Woche) in Djokovics neuen Ernährungsplan (S. 90-96), der aber auch angepasst wird und tagesaktuellen Schwankungen unterliegt, wie er schreibt. Ab S. 123 gibt es die Rezepte zu den Gerichten aus dem Wochen-Programm.

Erklärend schreibt Djokovic (S. 83) auf die Frage hin, wie viel er essen würde.

Diese Frage höre ich oft. Es ist eine gute Frage. Wie ich bereits erklärte, ist jeder Mensch einzigartig. Ihre Ernährungsbedürfnisse unterscheiden sich wahrscheinlich stark von meinen. Aber eines gilt für alle Menschen: Wenn Sie zu viel essen, werden Sie sich miserabel fühlen.

Der vom NMI-Portal auf S. 62 beschriebene „Missionierungsversuch“ sieht übrigens so aus:

Ich denke und fühle klarer und positiver. Und Ihnen wird es genauso gehen. (Mit Fußnote)

In der Fußnote lautet es dann:

Forschungen ergaben, dass Zöliakie und Glutenintoleranz nicht nur zu Darmproblemen führen, sondern auch das Nervensystem betreffen können.

Ähnliches hat auch Venesson in seinem Buch beschrieben, das ich kürzlich hier rezensiert habe. Er macht zum Beispiel darauf aufmerksam, wie Schizophrenen durch eine glutenfreie Ernährung geholfen werden konnte.

Wo ich dem NMI-Portal Recht gebe, ist, dass das Buch sich keineswegs nur mit Gluten beschäftigt. Es ist wirklich ein Einblick in Djokovics Ernährungsgewohnheiten. So hat er womöglich nicht nur durch das Weglassen von Gluten allein Gewicht verloren – er hat ja auch Milchprodukte weggelassen und seine Ernährung generell umgestellt. Eiweißhaltige Nahrung isst er (nach TCM) vor allem am Abend. Er isst bis zu zweimal täglich Fleisch oder Fisch. Für VegetarierInnen bzw. VeganerInnen ist das Buch daher wohl eher nichts. Auch der normale Mensch isst wohl nicht so viel Fleisch. Ein andere/r ProfisportlerIn aber vielleicht schon. Und es handelt sich nun mal um den persönlichen Plan eines Profisportlers – das sollte man beim Lesen im Hinterkopf behalten. Im Buch heißt es:

Derzeit folge ich dem folgenden Sieben-Tage-Plan für eine gluten- und milchproduktfreie Ernährung. Vielleicht hilft er Ihnen bei der Zusammenstellung Ihrer eigenen Menüs.

Anders als das NMI-Portal es kritisiert, ruft Djokovic in dem Buch nicht zur Selbstdiagnose auf. Ein Tennisprofi seines Formats hat ohnehin ein medizinisches Team, das ein Auge auf seine Gesundheit hat und auch der Mensch, der per, so NMI-Portal, „TV-Ferndiagnose“ Djokovic zum ersten Mal auf die Verdauungsproblematik (statt Asthma) gebracht hat, war ein serbischer Arzt. Dieser hat sich im Übrigen auch in persona mit Djokovic getroffen, um der Vermutung (eben nicht Diagnose) auf den Grund zu gehen. Gut, das alternativmedizinische Diagnoseverfahren mag so manchem/r als merkwürdig erscheinen, wer sich jedoch einmal intensiver mit traditioneller chinesischer Medizin beschäftigt hat, weiß, dass einiges ach-so-Simples bis Komisches durchaus medizinisch Sinn macht. Ich persönlich lese gerne Bücher von Wong Kiew Kit, der speziell zu den heilenden Methoden von Meditation und Chi Kung Bücher verfasst hat. Es gibt auch eine Einführung in TCM von ihm.

Djokovic fordert daher seine LeserInnenschaft zu Offenheit auf (Bleiben Sie offen bzw. aufgeschlossen – schreibt er mehrfach), denn er stellt einige alternative Konzepte und Ideen vor.

Dass ein Arzt ihn mit Brotscheibe auf dem Bauch diagnostizieren will, ist nur der Anfang. Später schreibt er von positiver und negativer Energie, die jemand auf jeweils ein Glas Wasser gerichtet hat, worauf nach ein paar Tagen das „negativ aufgeladene Glas“ grün wurde und das andere kristallklar blieb. Djokovic beginnt, anders als das NMI-Portal schreibt, diese Erzählung nicht mit „Ein Forscher“ – er schreibt nämlich:

Bleiben Sie aufgeschlossen. Ich sah einmal einen irren Test, der aus der fernöstlichen Medizin stammt. Ein Forscher füllte zwei Gläser mit Wasser…

Ich weiß nun nicht, woher dieser Test genau stammt bzw. wer ihn vollzogen hat – das Fehlen der Quellenangabe kann man Djokovic also durchaus vorwerfen, aber dass es sowas wie „Chi“ gibt, davon bin ich überzeugt und dass es Menschen gibt, die Energie auf besondere Weise lenken und nutzen können, ist für mich ein Fakt. Wenn ich das hier selbst probieren würde, ohne das Training genossen zu haben, das dieser Shaolin-Mönch hatte, würde ich mich sicher (!!!) umbringen. Klar, ist der History.com-Kanal keine wissenschaftliche Quelle, aber ähnliche Fälle (vielleicht nicht so extrem wie sich eine elektrische, laufende Bohrmaschine an den Kopf zu halten) gibt es zu Hauf in Schriften beschrieben und auf Videos dokumentiert. Das Problem ist lediglich, dass die westliche Wissenschaft solche Phänomene nicht zu erklären weiß.

Was also von anderen kritisiert wird an diesem Buch, möchte ich positiv herausheben. Djokovic ist wohl einer der, wenn nicht der, flexibelste Profi-Tennisspieler im Moment. Und was ich mir ohnehin schon dachte, wird in seinem Buch bestätigt. Er macht u.a. Yoga. Er meditiert und geht v.a. mit Essen sehr bewusst um. Er macht darauf aufmerksam hochwertiges Essen zu sich zu nehmen (also keinen Fisch aus Aquakultur usw.) und sich auch für das Essen Zeit zu nehmen.

Das Buch ist gespickt mit Informationen wie z.B. dass Weizen einen höheren glykämischen Index hat als Zucker. Das stand auch schon im Venesson-Buch, das ich vorgestellt habe.

Was ich jedoch an Djokovics Buch kritisiere, sind andere Halbwahrheiten, die tatsächlich im Buch stecken, so z.B. dass der Verzicht auf Milch zu einem Kalziummangel führen würde.

Doch wenn Sie das tun (auf Milchprodukte verzichten, Anm.), sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Sie genug Kalzium zu sich nehmen. (…)

Gute alternative Kalziumquellen sind Brokkoli und Fisch (…). Auch Mandelmilch (…) enthält sehr viel Kalzium.

Und an mancher Stelle geht mir der Ton, der sich wahrscheinlich eher an männliche Leser richten soll (?), etwas auf die Nerven…

Ausgewogenheit und Maßhalten sind in allen Lebensbereichen wichtig: beim Essen, beim Sport, bei der Arbeit, beim Sex, bei allem. (Okay, Sex ist ein schlechtes Beispiel, aber Sie wissen, was ich meine.)

Die Klammer () ist original-zitiert. Und sowas macht ein Buch vielleicht witzig (oder zumindest wird das anscheinend versucht), aber auch unseriös. Genauso unseriös ist es eben auch mit Begriffen wie „Intoleranz“ und „Allergie“ quasi synonym um sich zu werfen.

Auch etwas merkwürdig ist der folgende Teil (S. 84):

Ich bin ein Profisportler. Wenn ich wollte, könnte ich jemanden einstellen, der sich um meine Mahlzeiten kümmert und für mich Kalorien zählt. Aber niemand kennt meine Ernährungsbedürfnisse besser als ich selbst, so wie niemand Ihre Ernährungsbedürfnisse besser kennt als Sie.

Offenbar ist Djokovic, so schreibt er auf S. 82, Herr seiner eigenen Küche.

Ich buche Hotels mit einer Küche im Zimmer, damit wir selbst kochen können. Oft reist meine Familie mit mir, und meine Freundin sorgt gemeinsam mit meiner Mutter dafür, dass im Kühlschrank und in den Regalen immer gesunde Lebensmittel stehen.

OK, von dem „ich buche“ vs. „wir kochen“ in einem Satz mal abgesehen (vielleicht kocht doch eher seine – mittlerweile – Ehefrau), regt der folgende Teil auf S. 121 etwas mehr zum Nachdenken an:

Die folgenden Rezepte (die Rezepte seines Wochenplans, der vorher vorgestellt wurde, Anm.) passen perfekt zu meinen Ernährungsempfehlungen. Sie wurden von der Autorin und Köchin Candice Kumai freundlicherweise passend zu meinen Essgewohnheiten entwickelt – die zufällig auch die ihren sind!

Ich stelle es also mal als Frage in den Raum, also auf diese Internetseite, inwieweit Novak Djokovic Herr seiner Küche ist…

Fazit:

Das Buch ist in typischer „You-can-make-it-happen-Manier“ verfasst, wie es bei manchen Ratgebern üblich ist. Wer den Anfang vom Film „Keinohrhasen“ kennt, weiß, was ich meine und schmunzelt vielleicht schon. Ansonsten, hier entlang.

Wer etwas über Djokovic als Person (er beschreibt auch kurz seine Kindheit und Jugend in Serbien) und seine Ess- und Trainingsgewohnheiten erfahren will, wird mit diesem Buch womöglich gut beraten sein. Es sei jedoch dahin gestellt, inwieweit er wirklich Chef, Wortwitz beabsichtigt, in seiner Küche ist („Chef“ = engl. „Koch“).

Die Informationen stammen von einem Betroffenen, weisen aber hier und da laientypische Fehler bzw. Lücken auf. Wer wissenschaftliche Fachliteratur sucht, ist mit diesem Buch eher schlecht beraten.

Wer aber offen ist für alternativmedizinische Konzepte und Djokovics Weg der Besserung mit ihm nachvollziehen möchte, findet vielleicht Gefallen an diesem Buch.

Ich habe mich an Begriffsproblematiken und dem Tonfall etwas gestört, die beschriebenen Konzepte zu TCM und Mindfulness empfand ich aber als erfrischend und interessant. Außerdem gehört auch etwas Mut dazu sich hinzustellen und in Djokovics Position diese – zuweilen recht umstrittenen Konzepte – zu vertreten ohne nachher nicht selbst als Spinner dazustehen.

Ich schreibe diesen Blog auch als Laie und mitunter mache ich Fehler. Das kann ich zugeben und wenn ich Fehler bemerke, korrigiere ich sie auch. Wir wachsen eben auf dieser Reise. Sometimes you win, sometimes you learn. (Manchmal gewinnst Du, manchmal lernst Du dazu.)

Oder wie es der Tennisspieler Stanislas Wawrinka mit einem Zitat von Samuel Beckett auf seinem Arm zum Ausdruck bringt:

Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.

Zusammenfassung:

  • kurzer biographischer Exkurs in Djokovics Kindheit und Jugend
  • einige, wenige Rezepte (kaum „histamintauglich“)
  • Erfahrungsbericht, aber mit Begriffsfehlern
  • Kaufempfehlung: nur für Tennisbegeisterte/Djokovic-Fans oder TCM-Interessierte mit jedoch vorhandenem Vorwissen rund um Gluten
  • Kosten: 16,99 Euro beim Riva-Verlag

Ich bedanke mich beim Riva-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Aussagen entsprechen meinen eigenenVorstellungen und sind nicht vom Verlag, dem Autor oder anderen beeinflusst worden.

(c) Histamin-Pirat

Glutenfreie Info-Wochen (Teil 7): Deftige Muffins & Buchrezension…

Glutenfreie Brokkoli-Feta-Muffins und noch eine Buchvorstellung

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Auch heute gibt es wieder eine Buchvorstellung und ein passendes Rezept dazu. Ich bin ein bisschen in Verzug mit meinen glutenfreien Info-Wochen.

Mindestens ein glutenfreies Brot habe ich noch für Euch und wahrscheinlich noch ein paar Kleinigkeiten 😉

Heute gibt es glutenfreie, deftige Muffins frei nach dem Rezept aus dem Buch „Glutenfrei backen“ von Simone Stefka, erschienen im Pala-Verlag. Ich habe die Mehlsorten leicht angepasst, aber Ihr habt hier auch selbst freie Hand, wenn Ihr andere glutenfreie Mehlsorten besser (verträglich) findet, könnt Ihr natürlich auch die nehmen. Ich habe die Muffins eifrei gemacht. Sie sind aber aufgrund des Fetas nicht vegan und auch nicht laktosefrei, aber glutenfrei, vegetarisch und natürlich histaminarm. Weiter unten erfahrt Ihr mehr zum Buch und es gibt noch eine kleine Mehlsorten Warenkunde. Zu Bindemitteln und Histaminintoleranz gibt es demnächst noch einen extra Beitrag.

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Zubereitungszeit:

ca. 15 Minuten + ca. 20 Minuten Backzeit

Schwierigkeit:

einfach

Zutaten:

250g gegarter Brokkoli
Pr. Kreuzkümmel (optional)
Chiasamenmix als Eiersatz: 3 EL Chiasamen mit 9 EL Wasser etwas quellen lassen
50g Quinoamehl
10g Hanfmehl
80g Reismehl
20g Braunhirsemehl
1 TL Backpulver (glutenfrei)
ca. 130g Feta
80g Maisstärke
80g Kartoffelstärke
ca. 120ml Wasser
Kürbiskerne zum Bestreuen

Zubereitung:

Zuerst den Chiasamenmix mit Wasser anrühren, beseite stellen und etwas andicken bzw. quellen lassen.

Den gegarten Brokkoli mit Kreuzkümmel würzen und in der Küchenmaschine zerkleinern oder sehr klein schneiden.

Den Backofen auf 160°C Umluft vorheizen. Die flüssigen Zutaten, inklusive Chiasamenmix, gut verrühren und dann Mehl und Brokkoli hinzufügen. Den Feta in die Masse zerbröckeln. Dann Backpulver hinzugeben und unterrühren.

Muffinformen mit Teig füllen, Kürbiskerne über jeden Muffin streuen und ca. 20 Minuten backen.

Tip:

Die Muffins sind super als Frühstück oder Snack für unterwegs.

Buchrezension:

Das Buch besticht nicht nur mit vielen glutenfreien Rezepten für Brot, Kuchen und Kleingebäck, sondern vor allem mit einem umfassenden Teil zum Thema Warenkunde und sonstigen Informationen rund ums glutenfreie Backen.

  • Was ist glutenhaltig und sollte gemieden werden, was ist glutenfrei?
  • Was ist anders beim Backen ohne Gluten?
  • Welche Mehlsorten und Bindemittel gibt es eigentlich?

All diese Fragen und mehr werden im Buch beantwortet und damit ist es ein Fundus für alle EinsteigerInnen, aber auch Fortgeschrittene des glutenfreien Backens. Im Buch werden ausschließlich einzelne Mehlsorten verwendet und KEINE Fertigmischungen. So kann man selbst kreativ werden, neue Sorten ausprobieren und neu kombinieren, außerdem hat man hier bei Doppel-Intoleranzen (z.B. mit zusätzlich HIT) volle Kontrolle darüber, was in den Teig kommt.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es trotzdem: Nicht alle Rezepte sind histaminarm, vor allem die Brote sind alle mit Hefe gebacken. Ich muss hier noch Rezepte anpassen und ausprobieren und werde dann für Euch berichten. Beim Kuchen und Kleingebäck gibt es aber einiges, das mit nur kleinen Anpassungen absolut HIT-tauglich ist.

Das Buch kommt, wie schon das andere Buch vom Pala-Verlag, das ich Euch vorgestellt habe, ganz ohne Fotos aus, ist aber illustriert.

Welche glutenfreien Mehlsorten es gibt, habe ich hier für Euch zusammengetragen. Natürlich ist die Liste nicht vollständig, es gibt daneben noch so viele Nuss- und Samenmehle wie Hanfsamenmehl, Kürbiskernmehl, Chiasamenmehl, usw.

Einige Mehlsorten werden im Buch von Simone Stefka genauer beleuchtet und zwar auch auf ihre Backeigenschaften hin.

  • Maismehl und auch Masa Harina (aus weißen Maiskörnern), Polenta und Maisstärke machen den Anfang.
  • Weiter geht es mit einem Nachtschattengewächs – der Kartoffel. Kartoffeln kann man auch zum Backen verwenden, eine besondere Rolle spielt Kartoffelstärke, auch als Kartoffelmehl im Handel.
  • Dann gibt es eine kleine Warenkunde rund um Reis. Hier gibt es nicht nur Reismehl, sondern auch Klebreismehl (meist nur in asiatischen Lebensmittelläden erhältlich) mit besonders hohem Quellungs- und Verdickungsvermögen.

Andere Mehlsorten, die erwähnt werden:

  • Hirse: Hirsemehl macht die Backwaren leicht und locker, aber auch krümelig. Bei ohnehin lockeren Teigen sollte daher nur ca. 20 Prozent Hirsemehl enthalten sein.
  • Teff (auch Zwerghirse) ist sehr nährstoffreich. Es gibt helles, dunkles und rotes Teffmehl, die geschmacklich alle etwas unterschiedlich schmecken. Helles erinnert ein wenig an Kastanienmehl, dunkles schmeckt etwas nach Haselnuss.
  • Buchweizen
  • Quinoa und Amaranth binden viel Flüssigkeit, sollten nur anteilig (ca. 30 Prozent) der Gesamtmehlmasse ausmachen.
  • Sojabohne
  • Kichererbsen sind hier meist nur in einer Form erhältlich. Neben den Kichererbsen, die wir kennen, gibt es in Asien noch kleinere Sorten, die eher bräunlich sind. Schmeckt als Mehl zart und nussig. Was HIT angeht, muss man individuell austesten, ob man diese Hülsenfrucht verträgt.
  • Kastanienmehl schmeckt leicht nussig-säuerlich. Das Mehl wird schnell ranzig und sollte daher rasch verbraucht werden.
  • Hanfsamenmehl färbt das Gebäck dunkelgrün und schmeckt stark nussig. Kann als geschmacksgebende Zutat beigemengt werden.

Folgende Mehlsorten möchte ich noch ergänzen:

  • Kürbiskernmehl färbt das Gebäck grün (als wäre Matcha im Teig enthalten) und schmeckt leicht nussig. Ich verwende es neben Hanfsamenmehl sehr gerne als geschmacksgebende Zutat.
  • Sesammehl schmeckt nussig, leicht bitter. Muss bei HIT individuell ausgetestet werden.
  • Mandel- und Haselnussmehl eignen sich sehr gut für süßes Gebäck. Nicht jede/r verträgt die beiden Mehlsorten mit HIT. Auch hier heißt es wieder, in kleinen Mengen testen.

Ein paar Praxistips der Autorin:

  • Beim glutenfreien Backen sollte der Ofen unbedingt vorgeheizt werden.

Wird der Teig in den heißen Innenraum geschoben, kann so bereits in den ersten Minuten Feuchtigkeit aus dem Teig verdampfen. Der Innenraum des Ofens füllt sich mit Dampf. Dadurch überträgt sich die Hitze besser auf den Teig und es bildet sich eine schöne, braune Kruste. Ohne Dampf ist die Wärmeleitung viel schlechter, die Oberfläche des Teiges benötigt viermal länger bis zum Beginn des Backvorgangs und trocknet stark aus.

  • Brot direkt nach dem Backen aus der Form stürzen.

Unmittelbar nach dem Backvorgang ist die Feuchtigkeit im Brot sehr ungleich verteilt: Die Kruste ist sehr stark ausgetrocknet, während das Innere noch fast so viel Feuchtigkeit wie der rohe Teig enthält, etwa vierzig Prozent. Tatsächlich verliert das Brot erst jetzt, während des Auskühlens, etwa zehn bis zwanzig Prozent seines Eigengewichts an Wasser. Das Feuchtigkeitsverhältnis von Kruste zu Krume gleicht sich aus.

  • Eiweiß aufschlagen für einen lockeren, zarten Teig. Erst zum Schluss den Eischnee unterheben.
  • Fertiges Brot in Scheiben schneiden und einfrieren und bei Bedarf frisch auftoasten. Glutenfreies Brot verdirbt schneller als „normales“ und sollte daher rasch verbraucht werden oder man friert eben portionsweise ein und taut die Scheiben dann bei Bedarf frisch im Toaster fertig auf.

Alles in allem ist das Buch von Simone Stefka ein super Handbuch zum glutenfreien Backen sowohl für EinsteigerInnen als auch für Fortgeschrittene. Es gibt zahlreiche Praxistips und Erklärungen rund ums glutenfreie Backen. Viele Rezepte lassen sich einfach an die Bedürfnisse mit Histaminintoleranz anpassen oder sind sogar histaminarm. Es gibt keine veganen Rezepte im Buch, da in der Regel Eier als Bindemittel verwendet wurden.

Demnächst gibt es ein paar Infos speziell zu Bindemitteln und HIT bei mir auf der Seite.

Zusammenfassung:

  • um die 120 glutenfreie Rezepte
  • 220 Seiten, 16,00 Euro
  • illustriert, keine Fotos
  • keine Fertigmehlmischungen
  • viele praktische Tips und Warenkunde
  • von einer selbst Betroffenen geschrieben
  • nicht alles ist histaminarm
  • leider keine veganen Rezepten
  • Kaufempfehlung: bei Zöliakie/Glutenunverträglichkeit, Glutensensitivität – Ja

bei HIT – ja, mit Einschränkungen

Ich bedanke mich beim Pala-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Aussagen entsprechen meinen eigenen Vorstellungen und sind nicht vom Verlag, der Autorin oder anderen beeinflusst worden.

Guten Appetit!

(c) Histamin-Pirat

Glutenfreie Info-Wochen (Teil 5): Piratenschiff & Buchrezension…

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Wie bereits an den vergangenen Tagen geht es auch heute wieder glutenfrei auf dem Blog zu.

Nachfolgend möchte ich Euch das Buch „Glutenfrei kochen für die ganze Familie“ von Anja Donnermeyer, erschienen im Trias-Verlag, vorstellen und als kleinen Vorgeschmack auf das Buch gibt es auch ein nachgebackenes Rezept (mit leichten Änderungen).

Buchrezension:

Das Buch kommt sehr schön bebildert daher und bietet zahlreiche Rezepte zum Nachkochen und -backen an. Vom Frühstück, über kindgerechtes Mittagessen, Snacks zwischendurch, bis zur Motivtorte wird eigentlich alles in diesem Familienkochbuch abgedeckt.

Zugegeben habe ich mich zuerst sehr über das Buch gefreut, war dann aber etwas enttäuscht, als ich feststellen musste, dass in allen Backrezepten Fertigmehlmischungen verwendet wurden. Klar, für alle, die einen einfachen Einstieg in das glutenfreie Kochen und Backen suchen, ist das unkompliziert, zumal man diese Fertigmehlmixe eigentlich in jedem Bioladen ums Eck oder im gut sortierten Supermarkt findet. Für alle, die aber schon ein bisschen Erfahrung in der glutenfreien Kocharena haben und nun auch mal mit einzelnen Mehlen experimentieren wollen, ist das Buch nichts. Auch für Betroffene von Histaminintoleranz, die auf Xanthan, etc. verzichten müssen bzw. wollen, ist das Buch daher eigentlich nichts.

Das Buch zielt aber eben auch eher auf LeserInnen ab, die schnelle und dennoch umfassende Abhilfe für den Alltag suchen, ohne dabei Spezialprodukte bestellen zu müssen oder sehr viel Zeitaufwand zu betreiben, kurzum, das Buch richtet sich vor allem an berufstätige Eltern, die am Anfang ihres glutenfreien Kochabenteuers stehen. Daher begrüßt die Autorin, selber Mutter eines „Zöli-Kindes“, wie sie schreibt, ihre LeserInnen auch mit „Liebe Eltern!“.

Die Autorin hat nach der Diagnose von Zöliakie bei ihrer Tochter zunächst überlegt: „Getrennt kochen oder gemeinsam glutenfrei?“

Sie hat sich für einen gemeinsamen Weg entschieden, auf dem die ganze Familie glutenfrei essen wird. So muss Emily nicht dauernd hören: „Das darfst Du nicht essen.“ und man muss auch aus den Küchenutensilien kein steriles OP-Besteck machen oder gar alles doppelt kaufen, einmal Backformen und Töpfe für den Rest der Familie und einmal für die glutenfreie Emily. Und im Endeffekt ist die Entscheidung für alle gesünder. Beim Mann von Anja wurde schließlich auch noch eine Glutensensitivität diagnostiziert…

Das Buch ist unkompliziert und leicht verständlich geschrieben, neben Rezepten, gibt es Einkaufstips und ein Interview mit einer Diplom-Ökotrophologin und Ernährungsberaterin.

Julien Venesson (sein Buch habe ich kürzlich vorgestellt), seines Zeichens auch Ernährungsberater, würde wahrscheinlich nicht in allem zustimmen, was Elke Meis-Möllenkotte der Autorin im Interview rät.

Glutenfreie Ernährung führt, wie Meis-Möllenkotte richtig sagt, nicht nur nicht zu Mangelerscheinungen. Man könnte noch expliziter werden und darauf hinweisen, dass glutenfreie Mehlsorten sogar gehaltvoller sind als herkömmliches Mehl, v.a. Weizenmehl.

Ich verstehe, dass sich so manche oder so mancher Betroffene konkrete Einkaufstips wünscht, genauso muss man dabei aber auch das richtige Mittel zwischen Hinweisen und Werbung finden. Das Buch wird am Ende eher zur Werbekampagne für Schär und Glutano (mittlerweile auch Schär).

Die Autorin schreibt z.B. von der Möglichkeit bei McDonald’s glutenfreie Pommes zu bekommen oder dass Kinderschokolade glutenfrei ist und wie bereits erwähnt, werden nur Fertigmehlmischungen von Schär und Glutano verbacken. Mir stößt es da vor allem bei McDonald’s in einem (Familien-)Kochbuch übel auf, denn kindgerecht oder gesund ist „Essen“ von dieser Fast-Food-Kette sicher nicht, auch wenn McDonald’s schon seit einiger Zeit mit Salt, Wraps und sogar einem Veggie-Burger einen Imagewandel versucht…

Aufgrund der verwendeten Fertigmehlmischungen ist das Buch eher ungeeignet bei „Doppelt-Betroffenen“, die glutenfrei und histaminarm essen müssen, zu empfehlen. Wer sich etwas auskennt, kann aber Rezepte individuell anpassen.

Zusammenfassung:

  • 120 Seiten mit 41 Farbfotos, 13,99 Euro
  • alle Backrezepte mit Fertigmehlmischungen
  • daher die meisten Rezepte nicht histaminarm
  • praktische Küchen- und Einkaufstips
  • auch mit veganen Rezepten
  • aus dem Alltag einer betroffenen Familie, Rezepte für Kinder
  • Kaufempfehlung: Ja, für die, die erst beginnen glutenfrei zu backen und zu kochen
  • Nein, für alle, die sich schon etwas auskennen oder mit einzelnen Mehlsorten experimentieren wollen oder sich histaminarm ernähren müssen

Und nun ein Rezept von Seite 99, das irgendwie wie aufgelegt daherkommt, denkt sich der Histamin-Pirat 😉

Ich habe es als „nicht histaminarm“ markiert, weil Kakaopulver im Rezept vorkommt. Kakao selbst enthält aber eigentlich kaum Histamin, gilt jedoch als Histaminliberator. Mehr dazu hier. Ihr solltet daher individuell abwägen, ob Ihr diesen Kuchen genießen wollt oder nicht. In kleinen Mengen scheint Kakao hier kein Problem zu sein, eher im Gegenteil. Ich verwende Kakaopulver ohne Sojalecithin. Wie immer lautet die Devise: Die Dosis macht das Gift. Außerdem kann der Mann an meiner Seite auf einiges verzichten, aber Schokolade gehört nicht dazu 😉

*** nicht histaminarm ***

Piratenschiff

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Zubereitungszeit:

ca. 40 Minuten + ca. 55-60 Minuten Backzeit

Schwierigkeit:

normal

Zutaten für 1 Kuchen:

  • 250g Butter ODER Kokosöl
  • 120g Rohrohrzucker ODER Kokosblütenzucker
  • 40g selbst gemachter Vanillezucker
  • 1 Ei (im Originalrezept sind 5 angegeben, aber ich habe einige ersetzt)
  • 3 EL Chiasamen(mehl) + 9 EL Wasser als Ei-Ersatz
  • 55g Maisstärke
  • 30g Kokosmehl
  • 20g Kokosflocken
  • 90g Braunhirsemehl
  • 80g Reismehl
  • 30g Haselnuss- ODER Mandelmehl
  • 65g Quinoamehl
  • 1 Pck. glutenfreies Backpulver
  • 12 EL Milch ODER pflanzliche Milch
  • 8 EL Kakaopulver (ohne Sojalecithin)
  • Pr. Kardamom
  • ca. 200g weiße Kuvertüre

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Zubereitung:

  1. Ei-Ersatz aus Chiasamen und Wasser ansetzen und etwas andicken lassen.
  2. Butter/Öl mit Zucker, Vanillezucker, Kardamom, Ei und Ei-Ersatz cremig schlagen.
  3. Mehlsorten und Maisstärke hinzufügen und verrühren. Backpulver unterrühren.
  4. Milch und Kakaopulver unterrühren.
  5. In eine gefettete Kastenform füllen (am besten noch mit Kokosflocken einreiben, dann geht der Kuchen besser aus der Form).
  6. Im vorgeheizten Backofen bei 180°C ca. 55-60 Minuten backen. Auskühlen lassen und aus der Form lösen. Mit einem scharfen, langen Messer vorne und hinten Spitzen einschneiden, so dass Bug und Heck entstehen.
  7. Ein Teil der Abschnitte können als „Kommandobrücke“ auf den Kuchen gesetzt werden. Eine Piratenflagge basteln (als Mast habe ich ein Essstäbchen verwendet) und in das Schiff stecken. Mit Schokolade das Schiff überziehen.

Der Kuchen wurde von mir auf einzelne Mehlsorten angepasst, so dass kein Xanthan oder dergleichen als Bindemittel enthalten ist. Darüber hinaus habe ich die Eimenge durch den Chiamix reduziert, da ich versuche möglichst eiarm zu backen, weil das besser verträglich scheint. Einige verwenden auch die kleineren Eier von Wachteln oder Enten und bei den im Original angegebenen 5 Eiern braucht man dann doch’ne Menge Eier. Ihr könnt den Kuchen auch vegan machen. Dazu verwendet Ihr statt dem Ei einen weiteren EL (gestrichen!) Chiasamen mehr & 3 EL Wasser zusätzlich. Der Kuchen ist schön saftig, damit er das bleibt, ist es wirklich eine gute Idee ihn mit Kuvertüre zu überziehen (so bleibt die Feuchtigkeit unter der Schoki im Kuchen).

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Ich bedanke mich beim Trias-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Aussagen entsprechen meinen eigenen Vorstellungen und sind nicht vom Verlag, der Autorin oder anderen beeinflusst worden.

Guten Appetit!

(c) Histamin-Pirat